Umweltschutz

Die Angst vor Greenwashing darf dem Wandel nicht im Wege stehen

  • 14 September 2021
  • 7 Minuten zum Lesen

Eine kürzlich abgeschlossene Studie von Quilter hat ergeben, dass Greenwashing die größte Angst der Investoren bei ESG-Anlagen ist. 44% fürchten, dass ESG-Investments ihre Versprechen nicht halten. Unterdessen gibt es auch weiterhin Schlagzeilen zu mutmaßlichen „Greenwashern“. Unternehmen stellen merkwürdige Dinge an, um Projekte „grün“ aussehen zu lassen, mit Belegen, die sich bei näherer Betrachtung als Unsinn erweisen.

Zweifellos ist Greenwashing für viele ein Thema. Ebenso zweifellos verdienen Assetmanager oder Unternehmen, die ihre Versprechen nicht halten, gescholten werden.

Aber zurzeit laufen wir Gefahr, dass die Angst vor Greenwashing –also der Verdacht, dass diese Praxis so verbreitet ist, dass man quasi gar nicht gezielt nachhaltig investieren kann – mehr Schaden anrichtet als das Greenwashing selbst.

Wenn Investoren das Vertrauen verlieren und viele sich gegen nachhaltiges Investieren entscheiden, sodass die zurzeit überwältigend hohen Mittelzuflüsse mit der Zeit wieder abgezogen werden, kann das die Zukunft stark beeinträchtigen und die Bemühungen um CO2-Neutralität bis 2050 zunichtemachen.

Ein Teil des Problems ist, dass es keine allgemein gültige Definition für ESG gibt und es an einheitlichen Standards mangelt.  Das Ergebnis ist, dass Unternehmen wie Tesla von manchen Ratinganbietern hohe ESG-Scores erhalten und von anderen niedrige. Das hat auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der ESG-Indizes, die häufig Unternehmen enthalten, die auf den ersten Blick alles andere als grün sind.

Darüber, ob beispielsweise die Aufnahme eines Ölkonzerns in einen ESG-Index mit einem nachhaltigen Mandat vereinbar ist, gehen die Meinungen auseinander. Einige würden das ablehnen, darunter Fondsmanager mit expliziten Ausschlusskriterien. Andere würden sagen, dass die großen Ölkonzerne wichtig für die Energiewende sind.

Am Ende müssen Vermögenseigentümer und Assetmanager selbst entscheiden, wie sie ihre Einschätzungen in Mandaten und Publikumsfonds umsetzen.  Aber diese Entscheidungen sind manchmal gar nicht so einfach. Nuklearwaffen aus einem Portfolio auszuschließen ist leicht, aber wie sieht es mit Flugzeugherstellern aus, deren Tochtergesellschaften Raketen produzieren, die Nuklearsprengsätze transportieren? Sie stellen aber auch Passagierflugzeuge her. Sollte man diese Unternehmen ausschließen? Was ist mit den Fluggesellschaften, die diese Flugzeuge fliegen?

Wo auch immer man die Linie zwischen Anlegen und Verzichten zieht – ein Bereich, der nicht schwarz-weiß, sondern grau ist –, wichtig ist vor allem eines: Die Assetmanager müssen einen klaren Ansatz haben und sich daran halten. Sie müssen umsetzen, was in ihren Verkaufsprospekten und Werbeflyern steht, und tun, was sie öffentlich sagen, weil man ihnen sonst vielleicht Greenwashing vorwirft.

Für Unternehmen gilt dasselbe. Wir alle kennen Firmen, die ihre Umweltfreundlichkeit vor sich hertragen, dabei aber die unbequemen Tatsachen verschweigen, die das Gegenteil zeigen. Aber das bleibt nicht lange geheim, weil die Medien Heucheleien schnell aufdecken.

In diesen Fällen versuchen die betroffenen Unternehmen häufig, ihre Reputation zu retten, indem sie bessere und nachhaltigere Prozesse, Richtlinien und Kontrollen einführen. Ein wichtiger Teil des Überwachungssystems, das Unternehmen zur Rechenschaft zieht, nämlich die Kontrolle durch die Medien, funktioniert offenbar. Unabhängig davon, wie bekannt einzelne Heuchler mit schlechten Praktiken auch sein mögen, sollte man nicht davon ausgehen, dass die Bemühungen, unsere Welt grüner zu machen, zum Scheitern verurteilt sind.

Auch Regulierungen zwingen Unternehmen und Fondsmanager auf einen besseren und nachhaltigeren Weg.  Wir alle wissen, wie wenig hilfreich es ist, dass es noch immer keine einheitlichen Definitionen gibt, aber es gibt Fortschritte.

Die EU hat jetzt festgelegt, was man unter Greenwashing versteht: „Unternehmen, die einen falschen Eindruck von ihren (positiven) Umweltauswirkungen vermitteln“. Auch die im März 2021 in Kraft getretene EU-Offenlegungsverordnung für Finanzunternehmen (SFDR) hilft.

Sie sieht strenge und standardisierte Offenlegungspflichten für alle Unternehmen vor, die ihre Anlageprodukte als nachhaltige Investments vermarkten wollen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass alle, die diese Vorgaben nicht erfüllen, als „nicht nachhaltig“ gelten.

Das ist gut. Nach Analysen von Morningstar ist die Zahl der europäischen Fonds mit Nachhaltigkeitsanspruch von gut 2.000 im Jahr 2017 auf etwa 3.500 im letzten Jahr gestiegen, und dabei sind neue Produkte mit Nachhaltigkeitslabel nicht mitgezählt. Künftig wird die SFDR, die von der Europäischen Kommission weiter ausgebaut werden soll, um die Berichterstattung und die Wirksamkeit der treibhausgassenkenden Maßnahmen der Finanzmarktteilnehmer für alle Anlageprodukte zu verbessern, Fondsinvestoren helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Aber auch Assetmanager selbst müssen mehr Verantwortung übernehmen. Die Finanzbranche sollte noch mehr Emittenten anhalten, sich nach Kräften zu bemühen, ihre Unternehmen und ihr Vermögen grüner zu machen. Wenn sie das nicht tun oder nicht zeigen können, inwieweit sie es tun, sollten wir zu einem strengeren Engagement übergehen, unser Abstimmungsverhalten entsprechend anpassen und falls nötig nicht in sie investieren.

Grüne Anleihen (Green Bonds) sind eine Assetklasse, bei der wir klare Fortschritte erwarten. In den letzten Jahren ist ihr Anteil an nachhaltigen Portfolios stark gestiegen, aber auch für sie gibt es nicht immer klare Definitionen und einheitliche Standards.

Erst kürzlich haben wir uns gegen die Beteiligung an zwei Emissionen entschieden, weil die Emittenten sich nicht verpflichtet hatten, über die positiven Auswirkungen der Projekte zu berichten, die mit den Anleihen finanziert werden sollen. Hier sowie beim Impact Investing im Allgemeinen erwarten wir Fortschritte in Bezug auf Standards und Messbarkeit.

Bislang ist die Einschätzung, wie gut eine Strategie zum Beispiel zur Erreichung eines Ziels für nachhaltige Entwicklung beigetragen hat, völlig subjektiv und wertend. Es gibt keine harten Daten, um die Auswirkungen zu messen. Wenn sich das bessert, wird man mit Datenanalysen objektiv feststellen können, ob eine Strategie optimal auf ihr Ziel ausgerichtet war und zu dessen Erreichung beigetragen hat.  Greenwashing oder Impact Washing wird sofort erkannt und angegangen.

Auch bei den ESG-Ratings wird es Fortschritte geben. Irgendwann sind sie vielleicht genauso standardisiert wie Kreditratings. Bei Unternehmensanleihen diskutiert niemand darüber, ob ein Papier ein High Yield ist oder Investmentgrade-Status hat. Es gibt einen etablierten Rahmen zur Beurteilung der Kreditrisiken, an den sich die Marktteilnehmer halten.

Das könnte es irgendwann auch für ESG-Anleihen geben. Die Daten werden zahlreicher und besser – und die Investoren orientieren sich an wenigen ausgewählten Anbietern. Aber das wird wohl noch etwas dauern, weil sich die Daten und die Faktoren, die Ratinganbieter versuchen zu beurteilen – vom CO2-Fußabdruck über Biodiversität bis zur Orientierung am Pariser Klimaabkommen – weiterentwickeln.  Fest steht, dass bessere Daten zu besseren Ratings führen werden, die Investoren in die Lage versetzen, besser informierte Entscheidungen zu treffen, sodass immer weniger Greenwashing betrieben werden kann.

All dies braucht Zeit, aber die Finanzbranche ist auf einem guten Weg. Greenwashing wird irgendwann reguliert und so stark kontrolliert werden können, dass es überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Angesichts der Probleme, die echte ESG- und Impact-Strategien zu lösen versuchen, dürfen wir nicht zulassen, dass die Angst vor Greenwashing die dringend notwendigen Fortschritte behindert. Das große Ziel der CO2-Neutralität ist immens wichtig, und wir dürfen nicht riskieren, zu spät dort anzukommen.

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