Ukrainekrise und neue Volatilität: Was Investoren wissen müssen

  • 04 März 2022 (5 Minuten Lesezeit)

Am 24. Februar 2022 kehrte die Volatilität an die Märkte zurück: Mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine entstanden weltweit neue Risiken. Grundsätzlich beeinflussen weltpolitische Krisen die Märkte auf drei Wegen, die wir genau im Blick behalten:

  • Über Wachstum und Inflation
  • Über die Notenbankreaktionen
  • Über die steigende Unsicherheit, sodass Anleger höhere Risikoprämien verlangen

Transmissionswege

  • Wachstum und Inflation: Hier geht es bei Aktien in erster Linie um Gewinnerwartungen, bei Credits um Ausfallquoten und bei nominal verzinslichen Anleihen um Inflationserwartungen. Je mehr die Krise das Wachstum dämpft, desto stärker werden risikobehaftete Wertpapiere wohl einbrechen – bis die neuen Wachstums- und Ausfallquotenerwartungen in den Kursen berücksichtigt sind.

    Notenbankreaktionen: Der zweite Transmissionsweg betrifft die Geldpolitik. Durch die Krise ändern sich die Leitzinserwartungen. Das hat direkte Auswirkungen auf nominal verzinsliche Anleihen, aber auch auf zinssensitive Aktien. Auch die Wertpapierkäufe der Notenbanken können sich ändern. Quantitative Easing dämpft in der Regel die Risikoprämien.

    Steigende Unsicherheit, sodass Anleger höhere Risikoprämien verlangen: Der dritte Faktor, die Unsicherheit über die Zukunft, führt zu steigenden Risikoprämien – mit Auswirkungen auf die Bewertungen risikobehafteter Wertpapiere wie Aktien und High Yield. Wenn sich die Investoren schnell über die Folgen der Krise klar werden und die Notenbanken ihre Pläne rasch und deutlich kommunizieren, könnten die Risikoprämien aber schnell wieder fallen.

Wie wahrscheinlich ist eine Markterholung?

Die Auswirkungen weltpolitischer Krisen auf die Märkte waren meist nur von kurzer Dauer. Zwar sollte man sich bei seinen Ertragserwartungen nicht zu sehr von der Vergangenheit leiten lassen, aber in früheren Krisen waren die Verluste nicht selten nach spätestens 30 Tagen größtenteils, wenn nicht vollständig, wieder wettgemacht. Im Schnitt gaben Aktien um weniger als 10% nach.1 Es gibt nur einige wenige Ausnahmen, wie 1990 die irakische Invasion in Kuwait mit dem anschließenden Ölembargo und Ölpreisschock, der eine Rezession in den Industrieländern auslöste. Letztlich hängt aber viel davon ab, wie stark der Schock für die Wirtschaft sein wird und wie lange er dauert. Sehr wichtig sind aber auch die Wirtschaftslage vor der Krise und die Reaktion der Geld- und Fiskalpolitik.

Rohstoffe, BIP und Bewertungen

Am meisten beeinflusst die derzeitige Krise die Märkte aber über die Rohstoffpreise. Russland importiert nur sehr wenig aus den Industrieländern, doch ist unklar, welche Auswirkungen der Rohstoffpreisanstieg auf Wachstum, Inflation und Geldpolitik hat. Dennoch halten wir das Risiko eines größeren Wachstumseinbruchs für überschaubar. Selbst wenn das Barrel Rohöl der Sorte Brent 125 US-Dollar kostet, dürfte das Wachstum in den USA und Europa weiter über dem Potenzialwachstum liegen. Dann dürfte das Euroraum-BIP 2022 und 2023 nur um 0,9% niedriger ausfallen.2 Auch die Auswirkungen auf die USA hielten sich in Grenzen. Zugleich wurden aber die geldpolitischen Erwartungen angepasst, und man rechnete sowohl in den USA als auch im Euroraum jetzt mit deutlich weniger Zinserhöhungen in diesem Jahr als zuvor. Allein an zwei Tagen, Montag, dem 28. Februar und Dienstag, dem 1. März, gingen die Leitzinserwartungen für die USA um 1,5 Zinsschritte zurück. Das führte zu einem drastischen Realzinsrückgang. Vor allem für amerikanische Aktien ist das meist sehr gut.

Die hohe Unsicherheit – vor allem wegen möglicher Gegenmaßnahmen Russlands, etwa niedrigerer Öl- und Erdgasexporte – sorgt aber weiter für hohe Risikoprämien und schwächt risikobehaftete Assetklassen. Wir glauben aber, dass in den Rohstoffpreisen ein Teil dieses Risikos bereits berücksichtigt ist. Seit Jahresbeginn ist der Preis eines Barrels Rohöl der Sorte Brent um über 40% gestiegen,3 weil man Lieferstörungen befürchtete und die OPEC die Förderung noch nicht angehoben hat. Unterdessen ist der Preis für europäisches Erdgas seit Jahresbeginn um 157% gestiegen.4

Diese dramatischen Entwicklungen kommen zu einer Zeit, in der sich die Konjunktur in den Industrieländern wieder zu beschleunigen scheint. Dies zeigen etwa die jüngsten Einkaufsmanagerindizes. Die Verbesserungen fallen mit dem Nachlassen der Omikron-Welle und einem allmählichen Rückgang der Lieferengpässe zusammen. Das dürfte die Konjunktur in der ersten Jahreshälfte weiter stützen. Deshalb werden sich wohl auch die Auswirkungen der aktuellen Krise auf die Märkte in Grenzen halten, sodass am Ende eine Erholung möglich scheint. Für risikobehaftete Wertpapiere bleiben wir daher mittelfristig optimistisch.

Was Multi-Asset-Management jetzt leisten kann

Wir nutzen unsere Flexibilität, um die Portfolios in diesen unruhigen Zeiten zu schützen. Dazu senken wir die Gewichtung des europäischen Finanzsektors (insbesondere von europäischen Banken) und verlängern die Duration. Außerdem haben wir die Gewichtung Europas verringert und die der USA wieder erhöht – denn wir rechnen damit, dass die USA weniger betroffen sind. Natürlich behalten wir die Situation weiter genau im Blick und passen unsere Allokation an, wenn sich die Lage und unsere Einschätzungen ändern.

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