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Die Folgen der Ukraine-Krise für den Klimawandel

  • 06 Juni 2022 (10 Minuten Lesezeit)

Was bedeutet der Krieg für den Wettlauf zur Netto-Null?

  • Russlands Einmarsch in die Ukraine hatte massive Auswirkungen auf die Energiemärkte. Mehr denn je bemüht sich die EU, unabhängig von fossiler Energie aus Russland zu werden.
  • Die Europäische Kommission möchte ihre schon jetzt ehrgeizigen Pläne für erneuerbare Energien beschleunigen. Im Schnitt sollen die Emissionen jetzt jedes Jahr um 5,0% zurückgehen, statt wie bisher geplant um 4,8%.
  • Wir haben aber unsere Zweifel, dass Europa wirklich so schnell auf russisches Gas verzichten kann. Auch die Ziele für erneuerbare Energien, vor allem Windkraft, scheinen uns sehr ambitioniert zu sein. Wir gehen davon aus, dass Europa bis 2024 für eine Unterbrechung der Gasversorgung anfällig bleiben wird - in der Praxis könnte dies länger dauern.
  • Die erwartete Versorgungslücke mit Gas dürfte durch die verstärkte Nutzung fossiler Energie geschlossen werden, also auch durch mehr Kohleverstromung. Dadurch werden die Emissionen in den kommenden zehn Jahren wahrscheinlich höher ausfallen als in "Fit for 55" oder den neuen Plänen der EU vorgesehen.
  • In den 1970er-Jahren ging die Ölintensität der Wirtschaft drastisch zurück. Auch die heutige Krise könnte ein Wendepunkt sein. Demnächst könnten viele neue emissionsarme Technologien entwickelt werden.

Der Krieg und der Klimaschutz

Viele Faktoren haben dazu beigetragen, dass Putin die Ukraine angegriffen hat – vielleicht auch seine Hoffnung, dass sich der Westen wegen Europas Abhängigkeit von russischer Energie, vor allem Gas, mit Sanktionen zurückhalten werde. Die europäischen Gasspeicher waren leer und die Inflation war hoch. Das Fit-for-55-Klimaschutzprogramm der EU sah eine allmähliche Verringerung der Gasimporte in den nächsten zehn Jahren vor, um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55% gegenüber 1990 zu verringern. Russlands Macht als Gasexporteur würde also immer weiter nachlassen.

Wenn das Putins Plan war – aufgegangen ist er nicht. Die Sanktionen gegen Russland waren tiefgehender, umfassender und geschlossener als von vielen erwartet. Außerdem hat der unvermeidbare Anstieg der Energiepreise, vor allem des europäischen Erdgaspreises, die Europäische Kommission zu einer noch schnelleren Neuausrichtung der Gasimporte veranlasst, um schnell unabhängiger von Russland zu werden. Europa hat bereits alle Kohleimporte aus Russland verboten. Jetzt werden Sanktionen gegen Öl- und selbst Gasimporte erwogen.

In dieser Studie analysieren wir, wie Europa unabhängiger von russischem Gas werden kann. Wir berechnen die voraussichtlichen Auswirkungen eines Stopps russischer Gasexporte nach Europa auf die europäischen Treibhausgasemissionen. Das russische Gas muss ersetzt werden, vorübergehend durch CO2-intensivere Energieträger. Mittelfristig dürften die Emissionen durch eine schnellere Energiewende aber fallen. Wir hinterfragen die Annahmen der Kommission. Abbildung 1 zeigt, wie sich die neuen EU-Pläne aus unserer Sicht auf die Treibhausgasemissionen auswirken werden. Sie zeigt auch die Spanne möglicher Entwicklungen.

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