Investment Institute
Die Sicht des Chefvolkswirts

Es geht los!

  • 27 Juni 2022 (7 Minuten Lesezeit)

  • Die Stabilität der Wirtschaft gerät genau dann ins Wanken, wenn die Zentralbanken ungeduldig werden.
  • Wir überprüfen unsere Halbjahresszenarios zur Jahresmitte.

Die bislang beeindruckende Stabilität der Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks war einer der wichtigsten Gründe dafür, dass die Zentralbanken beschlossen haben, jetzt energischer gegen die Inflation vorzugehen.  Wenn die üblichen „Selbststabilisierungskräfte“ wie ein Rückgang des Konsums aufgrund steigender Preise fehlen, fühlen sich die Fed und die EZB noch mehr veranlasst, ihre Zinsen anzuheben. Aber kaum haben sie ihre Pläne kommuniziert, gibt es Anzeichen für diesen Konsumrückgang. Nachdem die PMI-Zahlen für Juni sowohl in den USA als auch im Euroraum unerwartet niedrig waren und zudem die zweite Schätzung der US-Verbraucherpreisinflationsprognose in der Michigan Survey für denselben Monat weniger besorgniserregend ausfiel, erwarten die Marktteilnehmer jetzt, dass die Fed ihre Geldpolitik weniger stark straffen wird als angekündigt. Ein solche Veränderung der Markterwartungen ist selten. Hinzu kommt, dass es bislang keine neuen Coronaausbrüche in China gab, sodass ein weiterer Auslöser eines angebotsbedingten Anstiegs der Preise für Industriegüter wegfallen könnte. Und schließlich sind auch die Ölpreise etwas zurückgegangen.

Diese Woche stehen wichtige Veröffentlichungen an, die Aufschluss über die Geschwindigkeit der Wachstumskorrektur geben werden, aber nach einer Überprüfung unserer Prognosen zur Jahresmitte gehen wir von einer schmerzhaften, aber handhabbaren Landung der Wirtschaft aus. Unsere Wachstumsprognosen für die USA und den Euroraum sind pessimistischer als die der beiden Zentralbanken, aber genau deshalb gehen wir davon aus, dass sie ihre Geldpolitik am Ende weniger stark straffen werden, als sie in Aussicht stellen, sodass der Marktdruck zum Jahreswechsel nachlassen könnte. Dennoch müssen wir auch ein alternatives Szenario im Auge behalten – anhaltend hohe Inflation. In diesem Fall würde die Geldpolitik mehr tun müssen. Dies dürfte diesseits und jenseits des Atlantiks in unterschiedlicher Form geschehen.  In den USA könnte die Inflation schwieriger einzudämmen sein, weil dort die Löhne nach wie vor zu stark steigen. Deshalb würde die Inflationsdrift dann hauptsächlich von der „Kerninflation“ ausgehen, was die Aufgabe der Fed einfach, wenn auch schmerzhaft machen würde. In Europa läuft es eher auf einen weiteren exogenen Schock wie einen erneuten starken Anstieg der Gaspreise hinaus, die ja bereits letzte Woche in Reaktion auf die Lieferbeschränkungen Russlands zugelegt haben. Die EZB würde ihren Leitzins vermutlich weiter leicht anheben, damit die Inflationserwartungen nicht aus dem Ruder laufen, aber wir gehen davon aus, dass es zu Unstimmigkeiten zwischen den Regierungen und der Zentralbank kommt. Zugleich wäre die Notwendigkeit einer Einführung von Maßnahmen gegen eine Zersplitterung der EU hoch, obgleich es den Ländern schwerer fallen würde, selbst leichte Auflagen zu erfüllen.

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