Investment Institute
Weltwirtschaft

Vertrauen vertagt

  • 05 Februar 2024 (10 Minuten Lesezeit)

  • Powells Statements und die Arbeitsmarktdaten haben die Erwartungen schneller Zinssenkungen der Fed zunichte gemacht.  
  • Die Euroraum-Inflation im Januar – mit besorgniserregenden Entwicklungen der Dienstleistungspreise – könnten denselben Effekt für Zinssenkungen der EZB haben.

Im Dezember hatte Jerome Powell das starke Vertrauen der Märkte darauf, dass die Zinsen schnell gesenkt werden, angefacht. Letzte Woche beschloss er genau das Gegenteil zu tun – mit Erfolg. Neben der klaren Aussage, dass eine erste Zinssenkung im März nicht das Basis-Szenario des Offenmarktausschusses sei, betonte Powell vor allem, dass es weitere Belege für eine anhaltende Disinflation geben müsse, damit der Ausschuss das notwendige Vertrauen für eine Einleitung von Zinssenkungen hätte. Der Fed-Chef machte klar, dass der Offenmarktausschuss zwar keinen echten Abschwung am Arbeitsmarkt anstrebe, aber auf eine stärkere Normalisierung warte. So gesehen war die Nachricht über die zahlreichen neu geschaffenen Stellen letzten Freitag ein ernstes Warnsignal.

Optimisten werden jetzt anführen, dass man Inflationsrisiken gelassen hinnehmen kann, wenn die Stabilität der US-Wirtschaft die Folge eines positiven Angebotsschocks ist, der sowohl die Beschäftigung als auch die Produktivität in die Höhe treibt. Eine andere mögliche Lesart ist aber, dass der Gleichgewichtszins jetzt höher ist und selbst der zuletzt starke Produktivitätsanstieg die aktuelle Lohndynamik nicht vollständig ausgleichen kann. Wir sehen Parallelen zu den Diskussionen der Fed in den späten 1990er-Jahren, als das New-Economy-Narrativ – damals beruhend auf den Auswirkungen der neuen Informationstechnologien – Alan Greenspan dazu bewegte, sich mit Zinserhöhungen Zeit zu lassen. Diese Entscheidungen dürften zur Entstehung der Verwerfungen im Vorfeld der Internationalen Finanzkrise 2008 beigetragen haben. Natürlich sind die heutigen Risiken anders gelagert, aber die Erinnerung an damals könnte ein weiterer Grund für die Vorsicht der Fed sein.

Der Luxus eines möglichen positiven Angebotsschocks ist dem Euroraum angesichts der letzten BIP-Zahlen nicht vergönnt. Letzte Woche haben wir geschrieben, dass es „perfekte Daten“ braucht, damit die EZB im April die Zinsen senken kann. Die Januarinflation mit möglicherweise besorgniserregenden Nachrichten zu den Dienstleistungspreisen ist sicherlich alles andere als perfekt. All dies bestätigt uns in unserem Basisszenario, dass die Zinsen auf beiden Seiten des Atlantiks erst im Juni erhöht werden.  

Ähnliche Artikel

Weltwirtschaft

US-High-Yield: Was 2024 in verschiedenen Konjunkturszenarien wichtig ist

  • von AXA Investment Managers
  • 21 Februar 2024 (5 Minuten Lesezeit)
Weltwirtschaft

Lästige Daten

  • von Gilles Moëc
  • 19 Februar 2024 (10 Minuten Lesezeit)
Weltwirtschaft

USA: Sowohl Aktien- als auch Anleihen-ETFs haben 2024 Potenzial

  • von David Page
  • 09 Februar 2024 (5 Minuten Lesezeit)

    Rechtliche Hinweise

    Anlagen enthalten Risiken, einschließlich dem des Kapitalverlustes. Die hier von AXA Investment Managers Deutschland GmbH bzw. mit ihr verbundenen Unternehmen („AXA IM DE“) bereitgestellten Informationen stellen weder ein Angebot zum Kauf bzw. Verkauf von Fondsanteilen noch ein Angebot zur Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen dar.

    Die Angaben in diesem Dokument sind keine Entscheidungshilfe oder Anlageempfehlung, (aufsichts-) rechtliche oder steuerliche Beratung durch AXA Investment Managers Deutschland GmbH bzw. mit ihr verbundenen Unternehmen („AXA IM DE“), sondern werden ausschließlich zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt. Die vereinfachte Darstellung bietet keine vollständige Information und kann subjektiv sein.

    Dieses Dokument dient ausschließlich zu Informationszwecken des Empfängers. Eine Weitergabe an Dritte ist weder ganz noch teilweise gestattet. Wir weisen darauf hin, dass diese Mitteilung nicht den Anforderungen der jeweils anwendbaren Richtlinie 2004/39/EG bzw. 2014/65/EU (MiFID/ MiFID II) und der zu diesen ergangenen Richtlinien und Verordnungen entspricht. Das Dokument ist damit für jegliche Form des Vertriebs, der Beratung oder der Finanzdienstleistung nicht geeignet.

    Die in diesem Dokument von AXA IM DE zur Verfügung gestellten Informationen, Daten, Zahlen, Meinungen, Aussagen, Analysen, Prognose- und Simulationsdarstellungen, Konzepte sowie sonstigen Angaben beruhen auf unserem Sach- und Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung. Die genannten Angaben können jederzeit ohne Hinweis geändert werden und können infolge vereinfachter Darstellungen subjektiv sein. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen wird nicht übernommen. Soweit die in diesem Dokument enthaltenen Daten von Dritten stammen, übernehmen AXA IM DE für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Angemessenheit dieser Daten keine Gewähr, auch wenn nur solche Daten verwendet werden, die als zuverlässig erachtet werden.

    Wertentwicklungsergebnisse der Vergangenheit bieten keine Gewähr und sind kein Indikator für die Zukunft. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds können steigen und fallen und werden nicht garantiert.

    Informationen über Mitarbeiter von AXA Investment Managers dienen lediglich Informationszwecken und sind stichtagsbezogen. Ein Weiterbeschäftigungsverhältnis mit diesen Mitarbeitern wird nicht garantiert.