Verantwortliches Investieren

Emissionsvolumen bei grünen Anleihen 2021 vermutlich bereits über 1 Bio. US-Dollar

  • 03 Dezember 2020 (3 Minuten Lesezeit)

2020 war von vielen Herausforderungen gekennzeichnet, aber der Markt für grüne Anleihen (Green Bonds) ist erheblich gewachsen. Mehrere Staaten haben grüne Anleihen emittiert, und das Spektrum an Emittenten hat sich ausgeweitet. Die Folge war ein Emissionsrekord. Grüne Anleihen eignen sich gut zur Finanzierung des Strukturwandels. 2021 dürfte dieses Segment mit einem Emissionsvolumen von 1 Bio. US-Dollar einen neuen Rekord erreichen.

Hier beschreiben wir, warum und wo wir dieses Wachstum erwarten. Zudem analysieren wir den CO2-Fußabdruck und den sozialen Nutzen grüner Anleihen.

Wachstum und Diversifizierung bei grünen Emissionen

Viele Regierungen haben sich bereits zu CO2-Emissionen von netto null verpflichtet, und viele weitere dürften folgen. Gesetzlich wurde dies bereits in 26 Ländern verankert oder steht kurz bevor, und viele andere erörtern gerade mögliche Ziele. Bislang haben jedoch erst elf Länder grüne Staatsanleihen emittiert. Wir gehen daher von einer weiterhin steigenden Emissionstätigkeit aus, da immer mehr Länder ihren Worten und Verpflichtungen Taten und Investitionen folgen lassen werden. Auch wenn viele Länder noch an der konkreten Definition der Ziele arbeiten und überlegen, wie diese erreicht werden sollen, spricht vieles für ein weiterhin dynamisches Umfeld für Staatsanleihen zur Finanzierung umweltfreundlicher Projekte. Nachdem bereits Deutschland, Ungarn, Schweden und die Niederlande 2020 grüne Anleihen auf den Markt gebracht haben, haben sich Italien, Spanien und Großbritannien verpflichtet, dieses Jahr Green Bonds zu begeben. Viele andere dürften folgen.

Auch bei Credits hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass, sobald ein neuer Emittent in den Markt eintritt, er den Weg für die gesamte Branche ebnet. Das ist insbesondere für Bereiche wie die Automobil-, Telekommunikations- und Immobilienbranche ermutigend, die ein enormes Potenzial für weitere grüne Emissionen aufweisen. In diesen Sektoren gibt es nach wie vor viele weitere mögliche Emittenten. Die Zahl der Emittenten grüner Anleihen ist noch überschaubar, sie haben jedoch bereits einen bedeutenden Marktanteil: Im europäischen Automobilsektor emittieren aktuell nur 16% der Unternehmen solche Anleihen, ihr Marktwert liegt jedoch bei fast 50% des Sektors.1

Folglich kommen diese Emittenten tendenziell häufiger oder mit einem größeren Emissionsvolumen auf den Markt. Davon dürfte dieses Segment zusätzlich profitieren. Auch wenn einige Sektoren nach wie vor nur schwer am Markt für grüne Anleihen vorstellbar sind, dürfte es zu einer schrittweisen Verschiebung von Versorgern hin zu Industriesektoren kommen. Die jüngste Dynamik, mit der neue Sektoren in den Markt eintreten, dürfte erst der Anfang sein.

Dieser Diversifikationseffekt im Markt spiegelt sich auch in den mit Green Bonds finanzierten Projekten wider. Der Anteil von Projekten zu erneuerbaren Energien sinkt zugunsten von weiteren Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs, etwa der Entwicklung umweltverträglicher Transportmittel oder Gebäude.

Regionale Marktanpassungen

Europa hat bei Emissionen bereits die Nase vorn, und der Markt für grüne Anleihen wird wahrscheinlich weiter wachsen. Allein 30% Prozent des EU-Wiederaufbaufonds sollen für die Energiewende verwendet werden.

Auf der anderen Seite des Atlantiks erreicht der grüne Anteil bei USD-Credits gerade einmal 1% – im Vergleich zu 5% bei Euro-Credits.2 Das ist enttäuschend, da der Markt für USD-Credits etwa dreimal so groß ist wie sein Pendant für Euro-Titel.3 Es unterstreicht jedoch einmal mehr das enorme Potenzial grüner Anleihen in US-Dollar. Der Sieg Bidens, der einen Investitionsplan von 2 Bio. US-Dollar in die Energiewende und die Rückkehr der USA in das Pariser Klimaabkommen zugesagt hat, dürfte bei grünen USD-Anleihen für zusätzliche Dynamik sorgen.4

Grüne Anleihen können den CO2-Fußabdruck eines Unternehmens reduzieren 

Ein wichtiger Aspekt bei der Emission von Green Bonds sind ihre positiven Umweltauswirkungen. Ihr CO2-Fußabdruck ist im Durchschnitt nur halb so groß wie bei einer entsprechenden konventionellen Anleihe.

Rund 90% der mit grünen Anleihen finanzierten Projekte zielen entweder auf eine Senkung des Energieverbrauchs oder die Steigerung der Produktion sauberer Energie ab. Daher konzentrieren wir uns bei der Bewertung einer grünen Anleihe in der Regel auf die CO2-Emissionen. Dabei werden häufig zwei wichtige Kriterien berücksichtigt: die durch die Projekte verursachten CO2-Emissionen und die durch sie vermiedenen CO2-Emissionen (d.h. die Differenz zwischen dem CO2, das durch Standardaktivitäten verursacht wird, und dem CO2, das durch grüne Projekte entsteht). So können wir beurteilen, welche Emissionsminderung ein Green Bond im Vergleich zu einer traditionellen Anleihe erzielt.5 Dies würde bedeuten, dass Unternehmen, die grüne Qualitätsanleihen ausgeben, langfristig ihren CO2-Fußabdruck im Durchschnitt um die Hälfte reduzieren können.

Der soziale Nutzen von Green Bonds

Grüne Anleihen stiften aber nicht nur ökologischen Nutzen. Unserem internen Instrument zur Erfassung der Beiträge zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) zufolge haben etwa 25% der Investments in grüne Anleihen eine positive soziale Wirkung und nützen vor allem SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen – sowie SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum. 75% der Investments tragen zu umweltbezogenen SDGs bei. Beispielsweise erleichtern Investitionen in erneuerbare Energien die Herstellung sauberer Energie und senken dadurch die Umweltverschmutzung. Davon profitiert die globale Gesundheit.

Unser interner Analyserahmen stellt alle grünen und sozialen Projekte den 169 Unterzielen der 17 SDGs gegenüber. So können wir feststellen, inwieweit jede grüne Anleihe, die wir analysieren, zu einzelnen SDGs beiträgt.

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