Ein schwieriges Jahr für Green Bonds, aber die Aussichten sind gut

  • 18 Juli 2022 (5 Minuten Lesezeit)

Vor der Dämmerung ist es am dunkelsten: Seit Anfang des Jahres leiden Festzinspapiere massiv unter einem Zinsanstieg von nie da gewesenem Ausmaß in Kombination mit einer Spreadausweitung. Green Bonds haben in diesem schwierigen Umfeld ihre größten Verluste aller Zeiten erlitten. Ende Juni hatte der ICE BofAML Green Bond Hedged EUR um 14,46% nachgegeben.1  Dennoch gibt es gute Gründe für einen optimistischen Ausblick für diese aufstrebenden Festzinspapiere – sowohl kurz- als auch langfristig.

Ein schwieriges Umfeld

Die Belastung für Anleihen durch die Inflation wurde durch den Ukrainekonflikt noch verschärft. In Reaktion darauf änderten die Zentralbanken ihre Geldpolitik radikal: Die US-Notenbank hat ihren Leitzins bereits um 1,5 Prozentpunkte angehoben, und der Markt rechnet mit weiteren Erhöhungen um insgesamt 1,7 Punkte bis Jahresende. Unterdessen kündigte die Europäische Zentralbank (EZB) das Ende ihres Anleihenkaufprogramms an und dürfte ihren Leitzins im Juli um 0,25 Prozentpunkte erhöhen. Das wäre der erste Zinsschritt seit 2011. Insgesamt erwarten die Marktteilnehmer in diesem Jahr Erhöhungen um 1,30 Prozentpunkte.

In diesem Umfeld sind die Zehnjahresrenditen in den USA und in Deutschland bis Ende Juni um jeweils 150 Basispunkte auf 3,01% und 1,34% gestiegen.2  Damit haben die Zinserhöhungen in wenigen Monaten den gesamten Gewinn der letzten fünf bis zehn Jahren aufgezehrt. Auch die Credit Spreads litten unter der strafferen Geldpolitik und dem inflationsbedingt unsicheren Wachstum und wurden erheblich weiter.

Das schwache Abschneiden von Green Bonds kann auf die Kombination aus sehr stark steigenden Zinsen und weiteren Credit Spreads zurückgeführt werden. Wichtig ist, dass grüne Anleihen stärker gelitten haben als traditionelle Papiere. Der wichtigste Grund für den Minderertrag ist die unterschiedliche Zins- und Credit-Sensitivität der beiden Assetklassen.

Turbulenzen am Markt für grüne Anleihen

Auf den ersten Blick liegen die Durationen der beiden Assetklassen nicht weit auseinander. Das zeigt die folgende Tabelle: 7,7 Jahre bei Green Bonds und 7,3 Jahre bei traditionellen Anleihen.

In Teilen des traditionellen Anleihenmarktes sind die Zinsen seit Anfang des Jahres vergleichsweise stabil geblieben. Wie die Abbildung auf der rechten Seite zeigt, ist dies bei japanischen Papieren der Fall, auf die 1,3 Jahre der Zinssensitivität entfallen. Der Green-Bond-Markt besteht dagegen vor allem aus Euro- und US-Anleihen.

Entsprechend bereinigt war der Green-Bond-Markt viel stärker von den steigenden Zinsen betroffen als traditionelle Anleihen. Hinzu kommt, dass der Markt auch anfälliger für die Credit-Entwicklung war, sodass er sensibler auf die Spreadausweitungen reagiert hat.

2022 haben Green Bonds die denkbar schlechteste Kombination gebracht, sodass sie erheblich mehr Verluste erlitten als traditionelle Anleihen.

Key characteristics

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Top 3 duration contributors by currency 

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Sector breakdown (%)

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Source: AXA IM, Bloomberg, ICE BofAML indices at at 30/06/2022

Künftige Chancen

Durch die anhaltend hohe Inflation dürften die Anleihenmärkte volatil bleiben. Sie werden zwischen Inflationsdruck und der Aussicht auf eine Rezession hin- und hergerissen. Wir sind aber der Ansicht, dass durch die aktuellen Schwankungen Chancen für Investoren entstehen, die kurzfristige Verluste tragen können, denn die aktuellen Bewertungen sprechen für attraktive langfristige Aussichten.

Ein weiterer Grund für unseren Optimismus ist das derzeitige Renditeniveau. Ende Juni war die Rendite des Green-Bond-Marktes um 50% höher als die traditioneller Anleihen (1,78% gegenüber 1,39%, abgesichert in Euro). Außerdem ist der durchschnittliche Spread grüner Anleihen optionsbereinigt um 70 Basispunkte höher als der traditioneller Papiere. Noch nie war der Abstand so groß (vgl. Abbildung). Die Zusammensetzung des Green-Bonds-Marktes hat sich nicht geändert. Der höhere Spread ist offenbar dadurch entstanden, dass die Bewertung grüner Anleihen stärker zurückgegangen ist als die traditioneller Papiere. Wir halten diesen Bewertungseinbruch für eine Chance und sehen Licht am Ende des Tunnels.

Außerdem sollte man nicht vergessen, das grüne Anleihen aus Sicht vieler Investoren ein ausgewogenes Risikoprofil bieten.  Der Markt besteht zur Hälfte aus Unternehmensanleihen (am traditionellen Anleihenmarkt sind es nur 25%). Dadurch waren Green Bonds zwar zuletzt anfälliger für die Credit-Spread-Veränderungen, aber langfristig macht sie das zu einem besseren Instrument zur Diversifikation von staatsnahen Anleihen und stellt höhere Erträge in Aussicht.

Hinzu kommt, dass sich der Zweck von Green Bonds nicht geändert hat: Emittenten in die Lage zu versetzen, Kapital für spezielle umweltfreundliche Projekte einzuwerben, in die Anleger gezielt investieren können.  Dabei berichten Green-Bond-Emittenten ausführlich und offen über die Verwendung des Kapitals. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber traditionellen Anleihen. Wichtig ist auch, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Green Bonds gibt und man mit einem aktiven Ansatz in Papiere investieren kann, deren Nachhaltigkeitsbeurteilung nicht nur auf den finanzierten Projekten, sondern auf der Gesamtstrategie des Emittenten beruht.

Auch wenn das Jahr 2022 eine große Herausforderung für grüne Anleihen war, sind ihre wettbewerbsfähige Rendite, die attraktiven Bewertungen sowie die langfristigen Vorteile eines ausgewogenen Marktes und viel Transparenz gute Gründe, optimistisch zu sein.

Green vs Global broad universe's spread 

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Source: AXA IM, Bloomberg, ICE BofAML indices at at 30/06/2022 

  • Source: AXA IM, Bloomberg as at 30/06/2022
  • Source: AXA IM, Bloomberg as at 30/06/2022

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