Ran an die Technologie: Wie langfristige Wachstumswerte bei volatilen Märkten helfen können

  • 02 Oktober 2023 (7 Minuten Lesezeit)

Im Überblick:

  • Wer sich auf langfristige Technologietrends konzentriert, lässt sich in volatilen Phasen möglicherweise weniger leicht verunsichern.
  • Aus unserer Sicht sind Anlagen in Qualitätsunternehmen mit soliden Fundamentaldaten und Wachstumspotenzial der beste Weg, um langfristig Mehrertrag gegenüber dem breiten Markt anzustreben.
  • Dank Innovationen bei Digitalisierung, Automation und Künstlicher Intelligenz (KI) bietet der Technologiesektor schon heute unzählige spannende Chancen.

Technologie: Wo geht die Reise hin?

Gegen Ende des Sommers stellt sich Anlegern automatisch vor allem eine Frage: Was halten die letzten Monate des Jahres bereit? Für Aktieninvestoren waren Wachstumssektoren wie Technologie ein wichtiges Thema, sowohl wegen ihrer problematischen Entwicklung im Jahr 2022 als auch aufgrund ihrer beeindruckenden Erholung in der ersten Jahreshälfte 2023, der zuletzt ein erneuter Rückgang folgte. Zurückzuführen war diese Volatilität auf die wechselnde Anlegerstimmung vor dem Hintergrund des komplexen gesamtwirtschaftlichen Umfelds.

Leider gibt es wenig Grund anzunehmen, dass sich daran in den nächsten Monaten etwas ändert. Die Märkte werden volatil bleiben. Der Inflationsdruck in den wichtigen Volkswirtschaften weltweit lässt zwar weiter nach, beunruhigt die Marktteilnehmer aber noch immer, weil er zu weiteren Zinsanhebungen führen könnte. Die Konjunkturdaten waren stabil, vor allem in den USA, sodass das Risiko einer unmittelbar bevorstehenden Rezession nicht gegeben ist, aber die Wachstumsaussichten für China sind nach wie vor schlecht.  Hinzu kommen die anhaltenden weltpolitischen Probleme.

Investoren sollten die andauernden Auswirkungen der globalen und gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen auf die Märkte nicht völlig außer Acht lassen, aber es gibt trotz allem viele langfristige Chancen in interessanten Technologiebereichen. Das gilt vor allem für Anleger, die sich von kurzen volatilen Phasen nicht ablenken lassen und willkürlich gewählten Messzeiträumen wie einem Kalenderjahr weniger Bedeutung schenken als dem langfristigen Wachstum über mehrere Marktzyklen.

Beim Management technologieorientierter Strategien haben wir immer versucht, Unternehmen mit starken Fundamentaldaten zu finden, die von langfristigen Trends profitieren. Wir sind schon immer überzeugt, dass Anlagen in wachstumsstarke Qualitätsunternehmen, die Entwicklungen mit einer Relevanz von mehreren Jahrzehnten unterliegen, Mehrertragspotenzial gegenüber den breiten Aktienmärkten bieten. Die Jagd auf Nischenanbieter und Modeerscheinungen oder den Versuch, mit kurzfristigen Wetten die Konjunkturentwicklung zu antizipieren, haben wir noch nie für sinnvoll gehalten. Und wenn man bedenkt, wie steigende Zinsen das Wachstumspotenzial von Aktien in der nächsten Zeit beeinflussen könnten, ist das vermutlich auch nicht ratsam.

Wo gibt es Chancen?

Aus unserer Sicht sorgt die Nachfrage nach neuen Technologien von Unternehmen und Privathaushalten weiterhin für Wachstum in Branchen wie generative KI, Automation, wo Arbeitskräfte knapp sind, und schnelle digitale Konnektivität im Unternehmens- und Privatbereich.  Jede dieser Branchen fällt unter eines unserer wichtigsten Technologiethemen: digitale Wirtschaft, Robotik und das Metaversum.

Digital Economy

Jeremy Gleeson, Portfolio Manager

In der digitalen Wirtschaft unterstützen zwei Faktoren das langfristige Wachstum: die Technologie und die immer besser vernetzten und besser informierten Kunden sowie die Demografie, weil der Generation der „Digital Natives“ die Jahre, in denen sie das meiste Geld ausgeben, noch bevorstehen. Einen größeren Teil ihrer noch steigenden Einkommen werden sie vermutlich online und für Abonnements ausgeben. 

Das bedeutet, dass Unternehmen im Umgang mit Partnern, Kunden und Mitarbeitern digitaler „denken“ müssen. Hier kommen die Digitalisierung von Daten, Software-as-a-Service (SaaS), Analysen, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit ins Spiel.

Die Ergebnisse lassen sich in vielen Branchen beobachten. Ein Beispiel ist Workday, das Cloud-Unternehmensanwendungen für die Bereiche Finanzen und Personal anbietet und damit die Anforderungen eines modernen Arbeitsumfelds erfüllt. Im Angebot sind Cloud-Lösungen für Lohnabrechnung, Mitarbeitergewinnung, Finanzen und Analysen für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, Bildungseinrichtungen und staatliche Stellen, die beispielsweise ihr Humankapitalmanagement und damit verbundene Bereiche wie Finanzen, Planung und Beschaffung modernisieren wollen. Goodman ist ein weiteres Beispiel. Das Unternehmen entwickelt und verwaltet Industrieimmobilien wie Logistikgebäude, Warenlager und Gewerbeparks und profitiert vom steigenden Bedarf an Datenzentren für die KI.

Robotech

Tom Riley, Portfolio Manager

Im Robotikbereich entstehen Chancen durch bahnbrechende Technologietrends wie Fabrikautomation, Bildverarbeitung und autonome Fahrzeuge.  Ursprünglich war die Robotik auf die Herstellung von Automobilen oder den Einsatz in der Luftfahrt beschränkt, aber in den letzten zehn Jahren ist sie auch in anderen Bereichen auf dem Vormarsch.  Ausgelöst wurde dieses Wachstum durch neue Technologien, die Roboter leistungsfähiger, flexibler und leichter einsetzbar gemacht haben, sodass ihr Anwendungsbereich gewachsen ist.  Die Ausweitung des Zielmarktes auf beispielsweise robotergestützte Operationen, die Montage von Elektrogeräten und Lagerautomation hat neue Investmentchancen hervorgebracht und das Wachstum beschleunigt.

In den letzten Jahren hat auch das Thema „Reshoring“, also die Verlagerung der Lieferketten näher an den Heimatmarkt, der Robotik Auftrieb gegeben, vor allen in den USA, aber auch in anderen Ländern.   Umfassende staatliche Unterstützungsmaßnahmen in den USA in Form von Gesetzen, beispielsweise der Infrastructure Investment and Jobs Act, der Chips and Science Act und der Inflation Reduction Act, bieten Unternehmen großen Anreiz, in inländische Fertigungsanlagen zu investieren.  Wichtig ist hierbei, dass diese Investitionen staatlich unterstützt werden, sodass sie erstens weniger anfällig für wirtschaftliche Schwankungen und zweitens langfristig ausgerichtet sind. Dies dürfte für langfristiges Wachstum sorgen.

In vielen Ländern sind Arbeitskräfte so knapp, dass Unternehmen in echte Schwierigkeiten kommen können. Beispielsweise wollen immer weniger Leute, vor allem junge, bestimmte Aufgaben in der Fertigung oder in Lagerhäusern übernehmen, weil sie sie nicht befriedigen und zu schlecht bezahlt würden.  Unternehmen mit steigenden Arbeitskosten und Arbeitskräftemangel setzen zunehmend Technologien ein und automatisieren ihre Prozesse, um trotz möglicherweise sogar schrumpfender Mitarbeiterzahl effizienter und produktiver zu werden. Einfach gesagt halten wir Arbeitskräftemangel und Lohninflation für entscheidende Auslöser einer steigenden Nachfrage nach Automation in den nächsten Jahren. Mit dem Anstieg der Lohnkosten amortisiert sich die Einführung von Automation schneller, sodass diese für immer mehr Branchen infrage kommt.   Beispielsweise bietet das japanische Unternehmen Keyence Sensoren und Kamerasysteme für Fabriken auf der ganzen Welt, um Arbeitsschritte präzise, kontrollierbar und effizient zu machen.  Andere Firmen wie Siemens haben viel in die Entwicklung einer digitalen Fabrik investiert, die Digitalisierung und Automatisierung im Fertigungsprozess miteinander verbindet.

Metaverse

Pauline Llandric, Portfolio Manager

Das Metaversum hat sich von einem neuen Konzept zu einer aufregenden investierbaren Chance entwickelt. Es ist die Fortsetzung der bahnbrechenden und immer innovativeren Technologien, die Kunden und Unternehmen mittlerweile zur Verfügung stehen. Unterstützt wird die Entwicklung von der demografisch bedingten Verschiebung hin zu Onlineunterhaltung, sozialen Netzwerken sowie digitaler Arbeit und Kommunikation. Aus unserer Sicht stehen wir am Anfang eines langfristigen Trends, durch den in fast allen Bereichen unseres Lebens Chancen entstehen, und es wird bald noch viele weitere Innovationen geben.

Unserer Einschätzung nach dürften immer mehr Unternehmen Produkte und Leistungen im Zusammenhang mit dem Metaversum anbieten. Zuletzt hat die KI erhebliche Fortschritte gemacht. Wir gehen davon aus, dass generative KI dem Metaversum entscheidenden Auftrieb geben wird. Virtuelle, gemeinsam genutzte und immersive Räume und Welten erfordern große Mengen an Inhalten, damit die Nutzer miteinander agieren und das Metaversum erkunden können.  Bislang hat das die Verbreitung erheblich gebremst, weil die Erstellung von Inhalten zeit- und arbeitsintensiv ist. Für dieses Problem bietet die generative KI vielversprechende Lösungen und könnte jeden in die Lage versetzen, seine kreativen Ideen umzusetzen.  Viele Unternehmen, die im Metaversum vertreten sind, nutzen bei ihren Produkten und Leistungen bereits KI. Spannend ist, wie es jetzt weitergeht. Möglich sind mehr Rechenleistung, eine leistungsfähigere KI und interessante Anwendungen, die die Metaversum-Erfahrung verbessern.

Beispielsweise hat der Spiele-Engine-Anbieter Unity eine Software entwickelt, die hilft, immersive Metaversum-Welten aufzubauen – auf der Grundlage von Augmented und Virtual Reality. Dieses Jahr kündigte das Unternehmen an, seinen Spieleentwicklern zwei generative KI-Tools zur Verfügung zu stellen. Unterdessen hat das Halbleiterunternehmen Nvidia kürzlich vom starken Anstieg der Nachfrage nach Chips profitiert, die generative KI und große Sprachmodelle leistungsfähiger machen. Da das Metaversum und immersive Erfahrungswelten auf eine cloudbasierte Weiterentwicklung von KI angewiesen sind, halten wir das Unternehmen grundsätzlich für gut aufgestellt, um einer der Vorreiter für die nächste Generation des Internets zu werden.

Ausblick

Technologieaktien werden häufig als langfristige Anlage betrachtet, was zum Teil auf ihre langen Research- und Entwicklungsphasen sowie darauf zurückzuführen ist, dass hohe Investitionen erforderlich sind. Deshalb können sie sensibel auf hohe Zinsen reagieren. Im aktuellen Umfeld ist das nicht besonders relevant, weil die Technologieunternehmen heute immer höhere Cashflows erwirtschaften, stabile Bilanzen haben und wenig Fremdkapital benötigen. Und die Unternehmen mit den höchsten Barmittelreserven könnten sogar von den höheren Zinsen profitieren. Tatsächlich waren die Unternehmensgewinne in den Bereichen, in die wir investieren, zuletzt durchweg hoch.

Das Thema „Vernetzter Verbraucher“ und die Zukunft der Automation bieten attraktive langfristige Wachstumschancen. Das Konjunkturumfeld, beispielsweise Zinszyklen, wird Auswirkungen haben, und man wird kurze volatile Phase verkraften müssen, aber das ist nichts Neues. Auch nach der Wahl von Trump 2017, dem Handelskrieg zwischen den USA und China 2018 und zuletzt während der Pandemie waren die Märkte volatil, aber das hat der langfristigen Entwicklung des Technologiesektors auf vielerlei Weise genutzt. Die Märkte dürften zwar volatil bleiben, aber wir sind überzeugt, dass unsere Investmentphilosophie, im Rahmen derer wir versuchen, langfristige Themen zu erkennen und in Unternehmen zu investieren, die davon profitieren, trotz kurzfristiger Herausforderungen erfolgreich sein wird. Unser Ansatz gibt uns die Flexibilität, über kurzfristige volatile Phasen hinauszublicken und in spannende, bahnbrechende Technologietrends zu investieren. 

Die gezeigten Unternehmen dienen nur zur Illustration. Stand 2. Oktober 2023. Dieses Dokument ist kein Investmentresearch und keine Finanzanalyse im Zusammenhang mit Transaktionen von Finanzinstrumenten. Es ist auch kein Angebot, irgendeine Anlage oder ein Produkt zu kaufen oder eine Leistung in Anspruch zu nehmen. Auch darf es nicht als Aufforderung oder Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung, als Empfehlung für eine Anlagestrategie oder als individuelle Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren betrachtet werden.


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