Wirkungsorientiert investieren mit börsennotierten Wertpapieren: Ein Leitfaden für institutionelle Investoren

  • 22 November 2022 (5 Minuten Lesezeit)

Im Überblick

  • Lange war wirkungsorientiertes Investieren nur an den privaten Märkten möglich. Mittlerweile ist das anders. Investoren und Unternehmen haben sich weiterentwickelt, sodass institutionelle Investoren heute auch mit Anlagen in börsennotierte Aktien und Anleihen etwas bewirken können.
  • Messung und Prüfung von Daten für glaubwürdige wirkungsorientierte Anlagen (Impact Investing) ist nach wie vor nicht immer einfach. Wir halten disziplinierte Prozesse und Rahmenrichtlinien für wichtig, um diesen Herausforderungen zu begegnen und führende Unternehmen zu finden, die Gesellschaft und Umwelt nutzen.
  • Aus unserer Sicht können auch institutionelle Investoren mit gutem Gewissen hoch konzentrierte Portfolios zusammenstellen, die spezielle UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) unterstützten und zugleich finanzielle Erträge anstreben.

Verantwortliches Investieren hat an Bedeutung gewonnen, sodass Pensionsfonds neue Möglichkeiten offenstehen, ihr Kapital sinnvoll und ertragsorientiert anzulegen. An der Spitze dieses Trends steht das Impact Investing, das ursprünglich dazu diente, kleine privat geführte Unternehmen zu fördern. Heute kann man verantwortungsbewusste Investmentstrategien unserer Meinung nach breiter ausrichten und in alle Arten börsennotierter Wertpapiere investieren.

Sowohl die Unternehmen als auch das Umfeld haben sich verändert. Nach und nach hat sich dadurch ein Markt entwickelt, an dem Unternehmen wissen, dass sie von langfristigen aktiven Investoren Kapital einwerben können, wenn sie ihr Angebot nachhaltig und zum Nutzen der Gesellschaft gestalten.1 Zugleich haben Politik und Verbraucher dafür gesorgt, dass eine Nachfrage nach Produkten und Leistungen mit klaren ökologischen und sozialen Vorteilen entstanden ist.

Durch diesen Tugendkreis ist das Anlageuniversum gewachsen, sodass Impact unserer Ansicht nach heute auch mit börsennotierten Wertpapieren erreicht werden kann. Nach einer im letzten Monat veröffentlichten Schätzung des Global Impact Investing Network beläuft sich der finanzielle Wert gemanagter Portfolios, die dessen Definition von Impact Investing erfüllen, auf über 1 Billion US-Dollar.2 Und 2021 wurden für ebenfalls über 1 Billion US-Dollar nachhaltige Anleihen emittiert.3

Die Beliebtheit und das steigende Angebot sprechen für einen lebhaften Markt, aber noch sind Messung und Prüfung der Wirkung von Anlagen nicht einfach. Nach wie vor muss man beim Aufbau von Impact-Strategien und -Mandaten sehr sorgfältige Analysen vornehmen.

Die Grundlagen

Ziel des Impact Investing ist es, finanzielle Erträge zu erwirtschaften und zugleich die weltweit größten sozialen und ökologischen Herausforderungen anzugehen. Um dies zu erreichen, bieten die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) unserer Meinung nach einen hilfreichen Rahmen für die Analyse von Wertpapieren und die Konstruktion von Portfolios.4 Wenn man sich an bestimmten SDGs orientiert, einen klaren Prozess definiert, führende Unternehmen auswählt und sich themenorientiert bei deren Geschäftsleitungen engagiert, ist echter Impact möglich. Dabei lassen sich einzelne SDGs wie die Biodiversität auswählen oder mehrere SDGs fördern, beispielsweise alle im Zusammenhang mit sozialen Themen – je nach den Zielen des Kunden.

Wie sieht die Konstruktion eines Portfolios aus, wenn man sich an den SDGs orientiert? Als Erstes entwickeln wir Ansätze für jede Assetklasse. Bei Aktien konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die mit ihren Produkten und Leistungen Nutzen stiften wollen, und bei grünen, sozialen und nachhaltigen Anleihen (GSSBs) können wir gezielt bestimmte Projekte finanzieren.

Das Aktienanlageuniversum definieren wir anhand von fünf Faktoren. Aus unserer Sicht sollten Investoren darauf achten, dass sowohl der Portfoliomanager als auch die Portfoliounternehmen eine bestimmte positive Absicht verfolgen.  Außerdem halten wir Bedeutung für eine Voraussetzung. Die Ergebnisse müssen relevant sein. Der dritte Faktor ist die Zusätzlichkeit. Wir wollen, dass Unternehmen einen gar nicht oder nicht ausreichend gedeckten Bedarf erfüllen. Und wir wollen negative Externalitäten vermeiden. Andere Aktivitäten eines Portfoliounternehmens dürfen keine Schäden verursachen, die den Nutzen überwiegen. Schließlich ist uns die Messbarkeit sehr wichtig. Nur bei einer klaren und transparenten Berichterstattung der Unternehmen können wir sicherstellen, dass unsere Anlagen Nutzen stiften.

An den Anleihenmärkten haben sich GSSBs zu einer eigenständigen Assetklasse entwickelt, die unterschiedliche Analysen ermöglicht.  Deshalb helfen uns die fünf oben beschriebenen Faktoren auch bei der ersten Beurteilung der ökologischen, sozialen und governancebezogenen (ESG-)Strategien von Anleihenemittenten. Im nächsten Schritt untersuchen wir, wie die Erlöse der Anleihen genutzt werden sollen, und verifizieren nach der Emission, dass sie tatsächlich in die geplanten Projekte fließen. Auch hier ist die Berichterstattung wichtig. Wir fordern wesentliche Leistungskennzahlen (KPIs), die den Kern der geplanten Ziele der Emission treffen. Bei einem Anbieter erneuerbarer Energie sind das beispielsweise die vermiedenen Treibhausgasemissionen. Um diesen Prozess einzuhalten und diszipliniert umzusetzen, nutzen wir eigene Richtlinien.

Wichtig ist, dass börsennotierte und private Impact-Investments einander ergänzen, es aber klare Unterschiede gibt.  Wir wollen nicht die manchmal sehr direkten und projektbezogenen Eigenschaften privater Anlagen replizieren, sind aber der Ansicht, dass wir das Kapital unserer Kunden dennoch in Unternehmen und Projekte investieren können, die echten Nutzen für Gesellschaft und Umwelt stiften. Und besonders wichtig ist, dass wir dies in einem Umfang tun können, der mit Anlagen in ausschließlich nicht börsennotierte Wertpapiere nicht möglich wäre. Dazu nutzen wir das leistungsfähige verantwortungsvolle Assetmanagement in sehr konzentrierten aktiven Portfolios.

Führende Unternehmen finden und Herausforderungen verstehen

Führende Impact-Unternehmen sind der Kern unserer Aktienfonds, -strategien und -mandate. Sie können nicht nur mit ihren Produkten und Leistungen Nutzen stiften, sondern auch durch ihr Vorbild als Teil der Gesellschaft, wenn sie dazu beitragen, neue nachhaltige Geschäftsmodelle zu etablieren. Das kann bei Unternehmen der Fall sein, die an vorderster Front stehen, beispielsweise bei Produzenten erneuerbarer Energie, oder bei jenen, die Teil der Lieferkette sind und wichtige Technologien oder Dienste anbieten. Auch führende Unternehmen sind nicht perfekt, und mit unserem Engagement bei ihnen wollen wir helfen, ihre Führungsposition auszubauen.

Unternehmen, die dazu beitragen, positive Wirkung zu erzielen, sind Firmen, die Gesellschaft oder Umwelt nachweislich erheblich nutzen, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht an die Spitze vorstoßen können. Vielleicht fördert nur ein kleinerer Teil ihrer Umsätze die SDGs, während der Rest einfach nur keinen Schaden anrichtet.  Auch die Wesentlichkeit der von ihnen angegangenen Probleme kann Einfluss auf unsere Einschätzung haben, ebenso wie eine nicht ausreichende Berichterstattung oder negative Externalitäten.

Der Markt für grüne Anleihen ist stark gewachsen. In vielerlei Hinsicht ist das eine gute Nachricht, weil dadurch auch das nachhaltige Anlageuniversum größer geworden ist und damit die Möglichkeit einer besseren Diversifikation nach Regionen und Sektoren. Als AXA IM 2015 seine eigene Strategie für grüne Anleihen auflegte, bestand der Markt fast ausschließlich aus Quasi-Staatsanleihen. Heute gibt es etwa 600 Emittenten, und ungefähr die Hälfte von ihnen sind privat geführte Unternehmen. Banken spielen dabei weiter eine wichtige Rolle, aber auch in anderen Sektoren wie Immobilien, Telekommunikation, Automobile, Chemie und Konsumgüter werden grüne Unternehmensanleihen begeben.

Heute gibt es einen lebhaften Markt, der aktives Assetmanagement begünstigt. Nicht alle grünen Anleihen haben die gleiche Struktur, sind gleich bewertet oder nachweislich gleich stark auf ESG-Faktoren ausgerichtet.  Das führt uns zu einer Frage, die für alle Arten von Impact Investing von Bedeutung ist: Wie kann man nachweisen, dass das Unternehmen den Nutzen, den es in Aussicht stellt, tatsächlich stiftet?

Dies ist der grundsätzliche Auslöser der Furcht vor Greenwashing (und Social Washing), und es gibt keine einfache Lösung. Am besten hilft unserer Ansicht nach, bei jeder einzelnen Investmententscheidung unsere strengen Standards einzuhalten und keine Kompromisse bei den wirkungsorientierten KPIs zu machen.  Messbarkeit und Transparenz sind vermutlich bei allen unseren Portfoliopositionen die wichtigsten Voraussetzungen.

Eine weitere Herausforderung für Investoren ist die schrittweise Standardisierung der Techniken zur Erhebung und Offenlegung von Impact-Daten in allen Assetklassen. Natürlich gibt es hier Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren. Zwar erstellen wir für jeden Emittenten individuelle Analysen, aber wir glauben auch, dass sich Assetmanager wir AXA IM für gemeinsame Standards und Methoden einsetzen sollten. Damit käme man der Lösung des Greenwashing-Problems ein gutes Stück näher.

Eine solche Standardisierung erfordert die breite Akzeptanz von KPIs, die den Kern des beabsichtigten Nutzens erfassen. Wir achten immer darauf, dass die Daten detailliert sind. Wenn wir harte Fakten wie die Strommenge aus erneuerbaren Energien oder die Zahl der schlecht versorgten Verbraucher, die neuen Zugang zu sozial wichtigen Leistungen erhalten, ermitteln, können wir mit gutem Gewissen investieren, vor allem, wenn die Daten wiederholbar und branchen- oder emissionsübergreifend sind.

Eine langfristige Chance?

Für Impact Investing, ob in Form von Private-Equity-Portfolios oder von Anlagen in liquide öffentliche Märkte, mit denen wir uns in diesem Artikel befasst haben, spricht aus unserer Sicht, dass man damit einige der wichtigsten gesamtwirtschaftlichen und Unternehmenstrends nutzen kann.  Wir gehen davon aus, dass sich dies auch in den finanziellen Erträgen von Impact-Portfolios niederschlagen wird, weil die für sie geeigneten Unternehmen und Emittenten mögliche Lösungen für einige der weltweit größten Probleme bieten.

An den Aktienmärkten erwarten wir attraktive Ertragschancen bei Unternehmen, die die Energiewende fördern oder soziale Probleme angehen, die auch die Politik zunehmend ins Visier nimmt. Die gleichen Argumente gelten auch für unsere Einschätzung grüner Anleihen. Auch hier entwickelt sich allmählich, aber nicht gleichmäßig eine „Grünprämie“, von der aktive und engagierte Investoren profitieren können.

Tatsächlich ist der Finanzsektor bei Weitem nicht die einzige Lösung. Als langfristige Investoren spielen wir zweifellos eine wichtige Rolle und haben auch ein geschäftliches Interesse am Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft, die uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten attraktive Investmentchancen bietet. Aber Impact geht nur gemeinsam, und Nutzen für Gesellschaft und Umwelt wird nur dann entstehen, wenn Regierungen, Aufsichtsbehörden, Verbraucher und Investoren an einem Strang ziehen. Und so wie Regierungen ihre Politik neu gestalten, Aufsichtsbehörden neue Vorschriften erlassen und Verbraucher nachhaltigere Produkte und Leistungen fordern, so werden Investoren weiterhin in Unternehmen anlegen, die am besten zu einer Welt im Wandel passen. Diese Dynamik hat dafür gesorgt, dass Impact Investing nicht mehr nur im Private-Equity- und Private-Bond-Bereich möglich ist. Dadurch sind vielversprechende Chancen für verantwortungsbewusste institutionelle Investoren entstanden.

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