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Nachhaltigkeit

Fünf Regeln für eine klimabewusste Buy-and-Maintain-Strategie

  • 12 Mai 2022 (5 Minuten Lesezeit)

Buy-and-Maintain-Strategien sollen nachhaltige und stabile Kernpositionen für Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren sein. Ziel sind Langfristerträge über denen von Investmentgrade-Anleihen – durch umfassende Diversifikation, niedrigen Portfolioumschlag und geringe Transaktionskosten. In den letzten Jahren wurde immer klarer, dass eine gute Buy-and-Maintain-Strategie auch Klimarisiken und die weltweite Reaktion auf den Klimawandel berücksichtigen muss.

Die Welt versucht gerade, mit dem Krieg in der Ukraine zurechtzukommen, vor allem mit den Auswirkungen auf das Energieangebot. Wir gehen aber fest davon aus, dass am Netto-Null-Ziel für 2050 nicht gerüttelt wird. Darin sehen wir eine Chance für Investoren, die ihre Portfolios an Veränderungen im Unternehmenssektor und an den Credit-Märkten anpassen wollen.

Aber das erfordert sehr viel Sorgfalt. Wir glauben, dass ein Buy-and-Maintain-Investor den Klimawandel nicht außer Acht lassen darf – und dass er fünf Regeln beachten sollte:

Finanzziele ergänzen

Das hat höchste Priorität. Bewusstsein für den Klimawandel, etwa durch niedrigere Portfoliorisiken oder eine Strategie, die dem Netto-Null-Ziel Rechnung trägt, soll die Finanzperformance möglichst verbessern und keinesfalls verschlechtern. Wir glauben, dass eine klimabewusste Strategie neue Risiken berücksichtigt, etwa durch ein verändertes Verbraucherverhalten oder mögliche Strafen der Aufsichtsbehörden. Solche Risiken können zu Zahlungsausfällen und Herabstufungen führen.

Dabei halten wir Szenarioanalysen für wichtig. Unsere Credit-Analysten schätzen die Auswirkungen des Klimawandels auf Finanz- und ESG-Performance – und die Portfoliomanager wählen Titel aus, deren Klimarisiken sich auch bei langen Laufzeiten in Grenzen halten. Ziel ist ein Portfolio mit einem geringeren Klimarisiko, um Zwangsverkäufe zu vermeiden und langfristig von einer besseren Umweltperformance zu profitieren.

Wir wollen nicht „grün um jeden Preis“ sein. Buy-and-Maintain steht für einen geringen Portfolioumschlag, um Kosten zu senken. Klimarisiken gehen wir eher bei kürzer laufenden Titeln ein, sodass wir das Portfolio durch Neuanlagen immer stärker auf die Netto-Null ausrichten können. Dazu investieren wir immer mehr in Emittenten, die bei der Energiewende führend sind.

In die Energiewende investieren

Jedes Portfolio, auch wenn es ganz auf die Netto-Null ausgerichtet ist, dürfte die physischen Klimarisiken zu spüren bekommen. Für uns ergeben sich aus der Finanzierung der Energiewende zusätzliche Anlagechancen. Außerdem besteht die Aussicht auf höhere Spreads und einen niedrigeren Portfolioumschlag. Nicht zuletzt können Investoren CO2-intensive Unternehmen veranlassen, sich ernsthafter um die Netto-Null zu bemühen. Dadurch verringern sich wiederum die physischen Klimarisiken und die Wirtschaft wird nachhaltiger.

Wir glauben deshalb, dass klimabewusste Buy-and-Maintain-Strategien sowohl in Emittenten investieren sollten, die bereits klimaneutral sind, als auch in Firmen, die noch auf dem Weg sind. Interessant sind darüber hinaus Anbieter von Klimalösungen. Eine mögliche Anlage sind grüne Anleihen – Green Bonds. Mit ihnen werden Unternehmen und Projekte finanziert, die den Klimawandel mindern oder helfen, damit zurechtzukommen.

Im Grunde lässt sich die CO2-Intensität eines Portfolios leicht verringern. Wenn man die Anleihen der größten CO2-Emittenten verkauft, gehen die Emissionen des Portfolios deutlich zurück. Würden wir uns in unserem Standardportfolio von den 5% Emittenten mit der schlechtesten CO2-Bilanz trennen, nähmen die CO2-Emissionen der Portfoliowerte um 40% ab. Und doch glauben wir, dass Investoren Ausschlüsse möglichst meiden sollten. Sie könnten nämlich verhindern, dass CO2-intensive Unternehmen, die vielleicht nur noch etwas Zeit brauchen, echte Fortschritte machen. Durch zu strenge Regeln würde auch das Anlageuniversum schrumpfen. Die Konzentrationsrisiken nähmen zu und Firmen, die etwas verändern wollen, bekämen kein Kapital mehr.

Natürlich ist der Ausschluss oder Verkauf von Unternehmen mit einer schlechten Klimapolitik kein Tabu. Das gilt auch für Firmen, die sich der Netto-Null verweigern oder die die Kunden nicht im Portfolio sehen möchten, vor allem wegen steigender Klimarisiken.

Jeder Sektor kann die Energiewende forcieren. Klimafreundliche Versorger werden in Zukunft genauso wichtig sein wie heute. Sie können durch erfolgreichen Klimaschutz ganz wesentlich zur Netto-Null beitragen.

Wichtig scheint uns auch, dass die Energiewende gerecht ist. Die sozialen Verwerfungen durch den Niedergang von Industriezweigen und die Veränderungen unseres Energiemix darf man nicht übersehen. Ein massiver Strukturwandel kann ganze Regionen veröden lassen und für mehr Ungleichheit sorgen. Investoren sollten daher alle Aspekte der Energiewende sorgfältig analysieren, damit ihre langfristigen Anlagen keine sozialen Risiken verursachen.


Ein Beispiel aus der Praxis

Unsere Konzepte und Analysen haben direkte Auswirkungen auf Anlageentscheidungen. Anfang 2022 haben wir uns von einem Unternehmen getrennt, das zwar Lösungen für erneuerbare Energien anbot, aber außerdem in ein Kohlekraftwerk investierte und damit einen Großteil seines Umsatzes erzielte. Obwohl das Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien aktiv war, schien uns seine neue Strategie unpassend für ein klimabewusstes Portfolio zu sein. Wir trennten uns daher von dem Titel. Das freigewordene Kapital wurde stattdessen in eine Anleihe investiert, die besser zum Netto-Null-Ziel passte und deren Finanzkennziffern ohnehin besser waren.


Der Netto-Null verpflichtet

Alle unsere klimabewussten Buy-and-Maintain-Strategien sollen spätestens 2050 die Netto-Null erreichen. Entscheidend ist aber, wie genau dies geschehen soll. Hier sind einige Beispiele:

  • 2050 soll für alle Portfoliowerte die Netto-Null gelten, bis 2030 sollen die Emissionen um 50% gesenkt werden.
  • Es werden mehrere Emissionssenkungsziele für das Portfolio festgelegt, die sukzessive erreicht werden sollen. Dabei könnte verlangt werden, dass alle Emittenten 2030 die Netto-Null entweder erreicht haben oder auf dem Weg dorthin sind. Grundlage können die sechs Kategorien der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC) sein.

Wir glauben, dass Klimaschutzziele niemals zulasten der Portfolioperformance oder neuer Wirtschaftsmodelle gehen dürfen, auf die verantwortliche Langfristinvestoren Wert legen. Es kann sich anbieten, den Anteil der Emittenten mit ehrgeizigen, aber erreichbaren Netto-Null-Zielen kontinuierlich zu erhöhen und dabei die Analysen unserer Credit-Analysten zu nutzen.

Buy-and-Maintain-Portfolios sollten die Netto-Null idealerweise nicht durch aktive Umschichtungen, sondern durch klimafreundliche Anlage freigewordener Mittel und neuer Kundengelder anstreben. So lassen sich unnötige Transaktionskosten vermeiden. Titel mit höheren Klimarisiken sind für uns nur akzeptabel, wenn sie eine recht kurze Laufzeit haben. Längerlaufende Papiere müssen besser zum Netto-Null-Ziel passen und geringere Klimarisiken haben. Die Portfoliomanager können Titel mit kurzer Duration dann auslaufen lassen und anschließend überlegen, ob sie das Geld in eine andere Anleihe des gleichen Emittenten oder in Anleihen aus dem gleichen Sektor investieren, deren Emittenten mehr für das Klima tun. So können wir Beteiligungen an Stranded Assets vermeiden, die angesichts der Energiewende kaum noch einen Wert haben.

Wir glauben, dass Wertpapiereigentümer durch klimaorientierte Umschichtungen nur gewinnen können. Wer auf ein klimaneutrales Portfolio setzt, dürfte langfristig am meisten gegen die Erderwärmung tun. Wer sich aber nur absichern will, braucht vielleicht ein Portfolio, das besser auf die Versicherungen abgestimmt ist, die die Risiken übernehmen. So können sich die Absicherungskosten ebenso verringern lassen wie die kurzfristigen Portfoliorisiken durch aufsichtsrechtliche Änderungen.

Engagement auf allen Ebenen

Wichtig bei einer klimabewussten Buy-and-Maintain-Strategie ist der Dialog mit den Geschäftsleitungen der Unternehmen. Wir glauben, dadurch die Unternehmensstrategien beeinflussen zu können, sodass die Firmen besser mit dem Klimawandel fertigwerden können. Auch sind wir davon überzeugt, dass Unternehmen, die sich ändern, die Klimaziele besser erreichen können.

Möglich ist die Abstimmungsteilnahme auf Hauptversammlungen von Unternehmen, in deren Aktien wir ebenfalls investiert sind. Als Anleiheninvestoren können wir uns aber auch unabhängig davon auf vielfältige Weise einbringen.

Wir glauben, dass vor allem ein regelmäßiger Dialog auf mehreren Ebenen Wirkung zeigt – Gespräche zwischen Kreditanalysten und Emittenten ebenso wie Gespräche zwischen quantitativen Analysten und Datenanbietern. Wichtig sind auch das Engagement in Brancheninitiativen und der Kontakt zu Aufsichtsbehörden. All dies dürfte dazu beitragen, dass die Unternehmen nachhaltiger werden und die Netto-Null leichter erreichen.

Wenn wir durch Engagement zur Netto-Null beitragen, stiftet das ökologischen und sozialen Nutzen. Mittel- bis langfristig hilft es auch, die ersten drei Grundsätze leichter zu erreichen und die Risiken zu verringern. Unternehmen, die Nachhaltigkeit wirklich ernst nehmen, können dann schneller auf einschlägige Forderungen ihrer Kunden reagieren. Konflikte mit Aufsichtsbehörden werden ebenso unwahrscheinlicher wie Arbeitskämpfe, und Investoren sind weniger geneigt, sich von ihren Positionen zu trennen. Vielleicht gehen dadurch auch die Verlust- und Herabstufungsrisiken zurück.

Wenn immer mehr Unternehmer auf die Netto-Null hinarbeiten und sie schließlich erreichen, wächst das Anlageuniversum für Anleihenportfoliomanager. Die Diversifikationsmöglichkeiten verbessern sich.

Transparenz durch Information

Die Berichtspflichten für Wertpapiereigentümer werden immer strenger. Die Portfoliomanager müssen daher pünktlich nachvollziehbare Daten liefern. Wir glauben, dass die Kunden klar über klimarelevante Fortschritte informiert werden sollen, neben den klassischen Finanzkennzahlen. So können die Kunden sehen, wie eine Strategie wirkt und echten Impact hat.

Aber welche Kennzahlen sollen die Wertpapiereigentümer nachverfolgen und von den Assetmanagern verlangen? Keine der zurzeit gängigen Kennziffern bildet wirklich ab, ob ein Unternehmen die Netto-Null erfüllen wird. Nötig sind daher vielfältige Daten, die verständlich erläutert werden. Wir glauben, dass die Berichterstattung zumindest eine Spanne für die CO2-Emissionen, den Grad der Kompatibilität mit dem Netto-Null-Ziel sowie eine Kennzahl für Klimarisiken enthalten soll.

Außerdem sollten diese Kennziffern

  • leicht verständlich sein, sodass Investoren und Stakeholder sie verstehen und erfassen können,
  • zeitkonsistent sein, sodass die Fortschritte auch über sehr lange Zeiträume nachverfolgt werden können,
  • mandats- und assetklassenübergreifend aggregierbar sein, sodass die Kunden Kennzah-len für das Gesamtportfolio ermitteln können, und vor allem
  • relevant sein, also zu den aufsichtsrechtlichen Anforderungen und Anlagezielen der Kunden passen.

Wir glauben, dass Kunden damit in der Lage sind, die tatsächlichen und möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Portfolio zu erfassen. Auf dieser Basis können sie Klimaziele formulieren – stets mit dem Ziel nachhaltiger Langfristerträge.

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