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Klimawandel: Was hat Netto-Null mit der weltweiten Erderwärmung zu tun?

  • 09 September 2022 (5 Minuten Lesezeit)

  • Steigende Treibhausgasemissionen sind die wichtigste Ursache der Erderwärmung – und gehen auf den Menschen zurück.
  • CO2-Neutralität, kurz „Netto-Null“, kann nur dann erreicht werden, wenn die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre nicht weiter steigt.
  • Abhängig von unserer Strategie zur Erreichung von Netto-Null könnte die Durchschnittstemperatur auf der Erde am Ende 1,5 °C, 2 °C oder sogar 3 °C höher sein als vor der Industrialisierung.

Die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), also des für die wissenschaftliche Betrachtung des Klimawandels verantwortlichen UN-Ausschusses, können komplex sein, aber sie enthalten eingehende aktuelle Analysen.

In seiner StudieClimate Change 2021: The Physical Science Basis lässt der IPCC keinen Zweifel an der Ursache der Erderwärmung. Er stellt fest: „Zweifellos haben die Aktivitäten der Menschen die Atmosphäre, die Meere und die Böden erwärmt“ und

„Es besteht ein nahezu lineares Verhältnis zwischen der von Menschen emittierten CO2-Menge und der damit verursachten globalen Erwärmung.“1

Anders gesagt ist der Klimawandel die Folge der steigenden Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre. Die Aktivitäten der Menschen sind die Ursache dafür und deshalb auch für die Erderwärmung verantwortlich.

Der Klimawandel gilt weithin als das größte Risiko für unseren Planeten, und angesichts der Extremwetterereignisse in den letzten Jahren muss jetzt dringend etwas passieren.

Die UN hat gewarnt, dass „die Erderwärmung auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden muss, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden und damit weiterhin Leben auf der Erde möglich ist. Schon jetzt ist die Erdatmosphäre um 1,1 °C wärmer als im späten 19. Jahrhundert, und die Emissionen steigen.“2

Um die Erderwärmung zu stoppen und den Temperaturanstieg zu begrenzen, müssen wir – also die gesamte Zivilisation – aufhören, CO2 und andere schädliche Gase in die Atmosphäre entweichen zu lassen.

Im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Klimawandel wird häufig der Begriff Netto-Null genannt und über Maßnahmen zur Begrenzung der globalen Erwärmung gesprochen. Im Folgenden betrachten wir beides genauer.

Der Weg zur Netto-Null

In der Definition des IPCC bedeutet Netto-Null den Zustand, wenn alle von Menschen verursachten Emissionen von Menschen entfernt werden. Das gilt für alle Emissionen, vor allem für CO2, aber auch für andere Gase, beispielsweise Methan.3

Im Grunde genommen bedeutet dies, dass kein Nettoanstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre stattfindet und ihre Konzentration nicht mehr zunimmt. Dieser Zustand ist die gelbe Linie in Abbildung 1. Kein Nettoanstieg der Treibhausgase bedeutet auch das Ende des Temperaturanstiegs, wenn auch mit Verzögerung.

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(Quellen: World Resource Institute, AXA IM)

In der Praxis heißt das, dass wir unseren Verbrauch fossiler Brennstoffe drastisch verringern, unsere Industrieprozesse erneuern und Treibhausgasleckagen in der Infrastruktur schließen müssen.

„Netto“ in „Netto-Null“ bedeutet, dass weiterhin Treibhausgase emittiert werden (grüne Fläche in Abbildung 1), aber das ihnen in gleicher Höhe ein Rückgang der Kohlenstoffemissionen gegenübersteht (rosa Fläche), vor allem durch natürliche Lösungen wie mehr Waldflächen, die CO2 aufnehmen, oder durch den Einsatz von Technologien, die der Atmosphäre CO2 entziehen (z.B. CO2-Abscheidung).

Brutto-Null würde bedeuten, dass der Mensch keinerlei Emissionen verursacht (in der Abbildung wäre die grüne Fläche dann eine Nulllinie). Bereits Netto-Null ist eine enorme Herausforderung; Brutto-Null dürfte unmöglich sein.

Wichtig ist zu verstehen, dass Netto-Null jederzeit erreicht werden kann, sobald die globalen Emissionen insgesamt nicht mehr steigen. Die Erderwärmung hängt also vor allem davon ab, wie schnell man Netto-Null erreicht.  

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Netto-Null das Ziel ist, dass es zu erreichen gilt, wenn wir die Schäden, die der Mensch dem Planeten zufügt, erfolgreich begrenzen wollen.

Temperaturbegrenzung

Laut dem IPCC ist die globale Temperatur von 1850 bis 2019 im Median um 1,07 °C gestiegen.4

Vor allem ist in der Studie zu lesen, dass die „Temperatur an der Erdoberfläche mindestens bis Mitte des Jahrhunderts weiter steigen wird“, weil es im Klimasystem der Erde eine starke Verzögerung zwischen den Emissionen und ihren Auswirkungen auf die Temperaturen gibt.

Unsere bisherigen Emissionen haben bereits dafür gesorgt, dass die Temperatur in den nächsten 20 bis 30 Jahren steigt. Mittelfristig, definiert als Zeitraum zwischen 2041 und 2060, steigt die Temperatur in allen Szenarien des IPCC um mindestens 1,6 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau, in vielen sogar um über 2 °C.

Das Pariser Abkommen von 2015, das nach COP21 unterzeichnet wurde, sieht vor, „den Anstieg der durchschnittlichen Temperatur der Atmosphäre auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und eine Begrenzung auf 1,5 °C anzustreben“. Das wäre weniger als im optimistischsten mittelfristigen IPCC-Szenario, das von 1,6 °C ausgeht.5

Zurzeit ist dies der meistgenannte Referenzwert vieler Klimainitiativen wie der Net Zero Asset Management Initiative (NZAMI) oder der Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ).

Die Temperaturen hängen von der Treibhausgaskonzentration ab. Um das Ziel des Pariser Klimaabkommens – oder überhaupt irgendetwas – zu erreichen, müssen die Nettoemissionen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt um 100% auf null verringert werden. Dieser Zeitpunkt ist nicht in Stein gemeißelt und hängt von der Geschwindigkeit des Abbaus der Emissionen ab.

Je niedriger die Temperatur am Ende sein soll, desto schneller muss der Abbau erfolgen. Abbildung 2 zeigt die Temperaturentwicklung in unterschiedlichen Szenarien und illustriert auf beeindruckende Weise den Zusammenhang zwischen höheren Treibhausgasemissionen und Temperaturen.

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(Quellen: World Resource Institute, Climate Action Tracker, AXA IM)

In der jüngeren Studie des IPCC aus dem April 2022 – Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change – gibt der Ausschuss folgenden Hinweis: Um die Erderwärmung auf 2 °C zu begrenzen, müssen die Emissionen bis 2030 um 27% und bis 2050 um 63% gegenüber dem Niveau von 2019 gesenkt werden. Für eine Begrenzung auf 1,5 °C müssen die Senkungen 43% und 84% betragen.5

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pläne zur Senkung der Temperatur eine Möglichkeit sind, um Netto-Null zu erreichen. Aber diese Pläne umzusetzen ist eine echte Herausforderung, und es ist nicht sicher, dass uns das gelingt. Wie die Mission verläuft, hängt von unseren heutigen Entscheidungen ab. Der Weg wird auf jeden Fall steinig, und je niedriger die angestrebte Temperatur ist, desto größer werden die Steine sein.

Aber eines steht fest: Wir müssen die Treibhausgasemissionen mit aller Kraft senken, indem wir weniger fossile Brennstoffe und mehr grüne, erneuerbare Alternativen nutzen. Wenn wir scheitern, gefährden wir die Weltwirtschaft und die Aussicht auf Wohlstand und Wohlergehen für die Menschen und unseren Planeten.

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