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Die Sicht des Chefvolkswirts

Das magische Geldbäumchen

  • 13 Februar 2023 (5 Minuten Lesezeit)

  • Der Monetarismus versucht ein Comeback, aber gegen die aktuelle Inflationsproblematik lässt sich damit vermutlich wenig ausrichten.
  • Japan ist ein typisches Beispiel. Nicht die volatile Geldmenge, sondern der plötzliche Inflationsanstieg weckt Zweifel an der derzeitigen Geldpolitik – und das ausgerechnet, kurz bevor ein „Außenseiter“ die Leitung der Bank of Japan übernimmt.

Die Erwartung einer baldigen Zinswende ist zunächst vom Tisch, weggefegt von den aktuellen Daten und der straffen Rhetorik der Politik. Der „Frieden“ zwischen Markt und Zentralbanken ist allerdings alles andere als stabil. Dafür ist die wehmütige Erinnerung an die marktfreundliche Geldpolitik der letzten zehn Jahre einfach noch zu lebendig, aber die Zeiten haben sich geändert. Die Berufung eines „Außenseiters“ an die Spitze der BoJ ist dafür ein weiteres Zeichen.  Mit Kuroda verlässt die „letzte Taube“ die internationale Bühne. Erste geldpolitische Schritte der BoJ sind unserer Ansicht nach aber erst einige Monate nach dem Amtsantritt Uedas im April zu erwarten.

Vor diesem Hintergrund überrascht es vermutlich wenig, dass die Monetaristen eine Chance wittern. Wir untersuchen die Vor- und Nachteile einer Rückkehr zum „alten Glauben“. Claudio Borio, der kürzlich einen sehr inspirierenden Kommentar über die Aussagekraft eines übermäßigen Geldmengenwachstums verfasst hat, kommt zu dem Schluss, dass die Berücksichtigung der Geldmengenentwicklung eine genauere Prognose des aktuellen Inflationsschocks ermöglicht hätte.

Aus unserer Sicht mag die wilde Liquiditätszufuhr während der Pandemie zwar durchaus zum starken Anstieg der Inflation beigetragen haben, aber die ausschließliche Betrachtung der Geldmenge M3 reicht nicht aus, um die Wahrscheinlichkeit einer echten Disinflation in den Jahren 2023 und 2024 zu beurteilen.
 Die Pandemie war eine Ausnahmesituation, weil der Anstieg der Geldmenge vor allem exogene Gründe hatte – die Ausweitung des Quantitative Easing. Unserer Meinung nach müsste die Geldmenge bei anhaltend hoher Inflation aus einem endogenen Grund steigen, also durch eine höhere Kreditvergabe – aber das ist nicht der Fall, ganz im Gegenteil, wie ein Blick auf die Entwicklung der Kreditmenge zeigt. Das übermäßige Geldmengenwachstum war jedoch nicht die einzige Besonderheit während der Pandemie. Hinzu kam der Stillstand des Geldmengenumlaufs. Die Bargeldbestände blieben einfach liegen.  Die Verwendung dieser hohen Bargeldreserven wird darüber entscheiden, wie sich Wirtschaft und Inflation in den nächsten zwei Jahren entwickeln. Und das führt uns zurück zu den eigentlichen Gründen dafür, dass die geldmengenorientierte Wirtschaftspolitik vor zwanzig Jahren ad acta gelegt wurde: So vielversprechend sie in der Theorie auch sein mag, so begrenzt ist ihr Nutzen in der Praxis.

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