Investment Institute
Weltwirtschaft

Löcher in den Leitungen

  • 10 Juli 2023 (5 Minuten Lesezeit)

  •  Angesichts der uneinheitlichen Daten dürfte die Geldpolitik straff bleiben: eher ein „Hochplateau“ als ein „Gipfel“. Auch das kann schmerzhaft sein, weil jetzt auch die Zinsen lang laufender Anleihen reagieren.
  • Die komplexen „Leitungssysteme“ des Euroraums (ESM und die Bilanz der EZB) erfordern wieder Aufmerksamkeit

Da die jüngsten US-Daten nicht eindeutig waren und weder eine galoppierende Inflation noch eine harte Landung der Realwirtschaft signalisiert haben, stellt sich jetzt eher die Frage, wie lange die Geldpolitik restriktiv bleiben wird und nicht die nach dem notwendigen Ausmaß einer weiteren Straffung. Um es mit François Villeroy de Galhau zu sagen: „Ein Plateau, kein Gipfel.“  Geduld und Umsicht sowie die Eindämmung der Inflation mittels länger anhaltender straffer Bedingungen als anfangs erwartet, ohne es damit zu übertreiben, können helfen, die Finanzstabilität zu schützen.  Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht mag ein solcher Ansatz optimal sein, für die Märkte ist er allerdings schmerzhaft. Sogar die Zinsen lang laufender Anleihen reagieren auf die Idee der Zentralbankvertreter, ihren Leitzins möglicherweise mehrere Jahre deutlich über dem Gleichgewichtswert zu lassen.

Dauerhaft straffe Finanzbedingungen werden das Gefüge des Euroraums auf die Probe stellen. Die Währungsunion (EWU) betreibt ein sehr komplexes, sich ständig veränderndes „Leitungsnetz“. Vor zehn Jahren wurde sie aufgrund der Staatsschuldenkrise sehr kreativ, und die erfolgreiche Lösung des Problems war nicht zuletzt dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu verdanken. Die aktuellen von Italien angestoßenen Diskussionen über dessen Reform erinnern daran, dass die EWU kein starres System ist.  Wir haben untersucht, ob die Entscheidung der italienischen Regierung, die Ratifizierung von ESM 2.0 zu verschieben, die Trennlinien in der Union zutage treten lässt.

Dennoch ist das Eurosystem, also die EZB zusammen mit den Notenbanken der Mitgliedsländer, das wichtigste Leitungssystem der EWU. Was es zusammenhält, ist der massive Anstieg seiner Bilanzsumme. Doch die Altlasten des Quantitative Easing – enorme Einlagen beim Eurosystem, für die nun beträchtliche Zinsen gezahlt werden – bedeuten auch erhebliche Einkommensverluste für die Zentralbank und damit am Ende auch für die Länder. Nachdem durch die vorzeitige Rückzahlung der TLTRO der größte Teil der Schrumpfung der Bilanzsumme erledigt ist, untersuchen wir, was man tun kann, um sie noch weiter zu senken. Die offensichtlichste Option ist, die Reinvestition des PEPP vorzuziehen, aber das könnte die Finanzstabilität gefährden.

Ähnliche Artikel

Weltwirtschaft

Was ist nötig?

  • von Gilles Moëc
  • 06 Mai 2024 (10 Minuten Lesezeit)
Weltwirtschaft

Ursachen und Währungen

  • von Gilles Moëc
  • 29 April 2024 (10 Minuten Lesezeit)
Weltwirtschaft

Nachricht aus China

  • von Gilles Moëc
  • 15 April 2024 (10 Minuten Lesezeit)

    Rechtliche Hinweise

    Anlagen enthalten Risiken, einschließlich dem des Kapitalverlustes. Die hier von AXA Investment Managers Deutschland GmbH bzw. mit ihr verbundenen Unternehmen („AXA IM DE“) bereitgestellten Informationen stellen weder ein Angebot zum Kauf bzw. Verkauf von Fondsanteilen noch ein Angebot zur Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen dar.

    Die Angaben in diesem Dokument sind keine Entscheidungshilfe oder Anlageempfehlung, (aufsichts-) rechtliche oder steuerliche Beratung durch AXA Investment Managers Deutschland GmbH bzw. mit ihr verbundenen Unternehmen („AXA IM DE“), sondern werden ausschließlich zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt. Die vereinfachte Darstellung bietet keine vollständige Information und kann subjektiv sein.

    Dieses Dokument dient ausschließlich zu Informationszwecken des Empfängers. Eine Weitergabe an Dritte ist weder ganz noch teilweise gestattet. Wir weisen darauf hin, dass diese Mitteilung nicht den Anforderungen der jeweils anwendbaren Richtlinie 2004/39/EG bzw. 2014/65/EU (MiFID/ MiFID II) und der zu diesen ergangenen Richtlinien und Verordnungen entspricht. Das Dokument ist damit für jegliche Form des Vertriebs, der Beratung oder der Finanzdienstleistung nicht geeignet.

    Die in diesem Dokument von AXA IM DE zur Verfügung gestellten Informationen, Daten, Zahlen, Meinungen, Aussagen, Analysen, Prognose- und Simulationsdarstellungen, Konzepte sowie sonstigen Angaben beruhen auf unserem Sach- und Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung. Die genannten Angaben können jederzeit ohne Hinweis geändert werden und können infolge vereinfachter Darstellungen subjektiv sein. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen wird nicht übernommen. Soweit die in diesem Dokument enthaltenen Daten von Dritten stammen, übernehmen AXA IM DE für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Angemessenheit dieser Daten keine Gewähr, auch wenn nur solche Daten verwendet werden, die als zuverlässig erachtet werden.

    Wertentwicklungsergebnisse der Vergangenheit bieten keine Gewähr und sind kein Indikator für die Zukunft. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds können steigen und fallen und werden nicht garantiert.

    Informationen über Mitarbeiter von AXA Investment Managers dienen lediglich Informationszwecken und sind stichtagsbezogen. Ein Weiterbeschäftigungsverhältnis mit diesen Mitarbeitern wird nicht garantiert.