Kann High Yield bei schwachem Wirtschaftswachstum Aktien ersetzen?

  • 19 Januar 2023 (3 Minuten Lesezeit)

Statt das Anlageuniversum als Einheit zu sehen, neigen wir zum Denken in Assetklassen. Dabei kann eine ganzheitliche Perspektive klügere Anlageentscheidungen und eine bessere Asset-Allokation ermöglichen. Besonders deutlich zeigt sich das beim Vergleich von High-Yield-Anleihen und Aktien, zwei Finanzinstrumenten aus völlig unterschiedlichen Assetklassen. Ihre Risiko-Ertrags-Profile sind sich aber sehr viel ähnlicher, als man denkt. Aktien und High-Yield-Anleihen sind gewissermaßen Substitute – und zwar so sehr, dass wir High Yield als weniger volatile Alternative zu Aktien ansehen.

Gerade 2023 kann das für Anleger interessant sein. Zurzeit bieten internationale High-Yield-Anleihen etwa 9%1 Rendite – ein Niveau, das in der Vergangenheit meist Erträge ermöglicht hat. Außerdem hat sich die Kreditqualität verbessert. Zwar rechnen wir aufgrund der nicht einfachen Wirtschaftslage mit mehr Schwierigkeiten, doch dürften sich die Zahlungsausfälle weiterhin in Grenzen halten. Aktien könnten hingegen noch einige Zeit unter den nachlassenden Gewinnerwartungen und den hohen Zinsen leiden. Wer also aktienähnliche Erträge wünscht, sollte sich mit High Yield befassen.

High Yield oder Aktien: Die Volatilität macht den Unterschied

High-Yield-Anleihen und Aktien sind meist stark miteinander korreliert. In den letzten zehn Jahren betrug der Korrelationskoeffizient der Erträge 0,83.2 Auch regional war die Korrelation hoch. In den USA waren es 0,79, in Europa 0,75.3 Da liegt es nahe, dass Anleger in High Yield eine Alternative zu Aktien sehen. Schließlich ist eine recht ähnliche Wertentwicklung zu erwarten.

Die hohe Korrelation zeigt sich meist auch in den Erträgen. In den letzten zehn Jahren haben internationale High-Yield-Anleihen mit Aktien recht gut Schritt gehalten. Mit ihnen verdiente man jährlich 3,98%, mit Aktien 5,95%.4 Zwar lagen Aktien in guten Jahren vorn, doch als die Märkte 2022 fielen, hat man mit High Yield nur 11,39% verloren, mit Aktien aber 19,8%.5 So gesehen leisten High-Yield-Anleihen, was man von Festzinstiteln erwartet: Bei schwachen Märkten sorgen sie für eine gewisse Stabilität, aber legen dafür in der Hausse nicht so stark zu. Tatsächlich unterscheiden sich die beiden Wertpapierarten vor allem durch die unterschiedlich hohe Volatilität. Genau das könnte 2023 aber wichtig werden, da uns viele Risikofaktoren der letzten zwölf Monate erhalten bleiben. Wie die folgenden Abbildungen zeigen, sind High-Yield-Anleihen aus den drei großen Anlageregionen nicht so volatil wie Aktien, aber oft ähnlich ertragsstark.

Volatilität und Indexertrag im Vergleich6

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Strukturelle Unterschiede

Natürlich beschränken sich die Unterschiede nicht allein auf die Volatilität. Damit man mit Aktien etwas verdienen kann, müssen die Unternehmensgewinne oder die Bewertungen steigen. Die Erträge von High Yield sind hingegen verlässlicher, denn man erhält Coupons. Außerdem spielt die Zinsentwicklung eine wichtige Rolle, was Verluste in volatilen Zeiten abfedern kann.

Hinzu kommt, dass Anleihen in der Kapitalstruktur eines Unternehmens vor Aktien stehen. Ein börsennotiertes Unternehmen wird also zunächst die Dividenden aussetzen, bevor es keine Coupons mehr zahlt und die Anleihen nicht mehr bedient.

Natürlich darf man bei Anleihen nicht das Ausfallrisiko aus dem Blick verlieren, vor allem bei High Yield. Zwar rechnen wir wegen der schwierigen Wirtschaftslage dieses Jahr mit mehr Zahlungsausfällen und Herabstufungen, doch dürften sie im Vergleich zu anderen Abschwüngen niedrig bleiben. Entscheidend für eine erfolgreiche High-Yield-Strategie scheint uns, dass man Unternehmen mit einer sich verschlechternden Kreditqualität und damit Kapitalverluste meidet.

Was bringt das neue Jahr?

Viele Risikofaktoren des letzten Jahres, etwa die hohe Inflation und die unsichere Weltlage, dürften den Anlegern auch 2023 Sorgen machen. Gerade in schwierigen Zeiten lohnt sich Diversifikation, doch sollte man auf die Details achten. Bei einem schwachen Wirtschaftswachstum dürften Bewertungen und Unternehmensgewinne nur wenig steigen, was Aktiengewinne unwahrscheinlicher macht. Coupons scheinen da verlässlicher. Wegen der Aussicht auf aktienähnliche Erträge bei geringerer Volatilität sollte man High Yield als Alternative zu Aktien ernsthaft in Betracht ziehen – vor allem dann, wenn die Märkte so unberechenbar sind wie jetzt.

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Glossary

Ausfallrisiko: Das Risiko, dass ein Anleihenemittent seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt.

High-Yield-Anleihen: Anleihen von Unternehmen mit einem Kreditrating unter dem von Investmentgrade-Emittenten; auch bekannt als spekulative Anleihen oder „Junk Bonds“.

Volatilität: Schwankungen eines Wertpapiers bzw. Marktindex – grundsätzlich gilt ein Wertpapier als umso risikoreicher, je volatiler es ist.

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