Investment Institute
Die Sicht des Chefvolkswirts

Dunkle Wolken über der Peripherie

  • 13 Juni 2022 (7 Minuten Lesezeit)

  • Angesichts der Reaktion der italienischen Renditen spricht Einiges dafür, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) noch immer ihren alten Einschränkungen unterliegt.
  • Die EZB scheint ihr Vertrauen in die Phillips-Kurve verloren zu haben: Das Konjunkturumfeld müsste sich schon enorm verschlechtern, damit sie ihre geldpolitischen Pläne ändert.
  • Diese Woche wird die Fed ihren Leitzins vermutlich um 50 Basispunkte anheben. Achten Sie auf die Veränderung der Arbeitslosenquoten im Dot Plot der Zentralbank.

Die Ankündigung der EZB, ihren Leitzins im Juli um 25 und möglicherweise im September um weitere 50 Basispunkte anzuheben, hat die Markterwartungen bestätigt, dass die Zinsen Ende 2022 am unteren Ende der „neutralen Spanne“ liegen werden.  Die wichtigste sofortige Reaktion war die des italienischen Anleihenmarktes auf die mangelnde Präzision der Anti-Zersplitterungsmaßnahmen der EZB.  Die aktuelle Rendite der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen ist höher als jede vernünftige Schätzung des nominalen Trendwachstums des italienischen BIP.  Um einen Schulden-Schneeballeffekt zu verhindern, muss der italienische Haushalt kontinuierlich konsolidiert werden, was sich angesichts des unsicheren politischen Umfelds ab dem nächsten Jahr als schwierig erweisen dürfte. Selbst wenn dieser Druck zurzeit noch nicht auf die anderen Peripherieländer übergreift, scheint es, als würden die „alten Einschränkungen“ noch immer einer normalen Steuerung der Geldpolitik entgegenstehen. Wenn die Bemühungen, eine Fragmentierung zu verhindern, nicht präziser gestaltet oder die Schulden in der EU nicht stärker vergemeinschaftet werden, könnten Verwerfungen am Anleihenmarkt das Vertrauen im gesamten Euroraum belasten und die EZB von einer weiteren Lockerung abhalten, bevor die angestrebte Leitzinsspanne erreicht ist.  Zurzeit ist die Zentralbank allerdings offenbar bereit, eine recht starke Verschlechterung der Realwirtschaft zu tolerieren, um ihr Mandat zu erfüllen. In dem in den jüngsten Prognosen der EZB enthaltenen Negativszenario würde die Inflation nach einer starken Rezession im Jahr 2023, die für 2024 eine um 2 Prozentpunkte höhere Arbeitslosenquote als im Basisszenario zur Folge hätte, nur knapp unter 2% liegen. Die EZB hat ihren Glauben an die Phillips-Kurve verloren zu haben. Auch das ist anders als unter Draghi.

Die Fed wird ihren Leitzins diese Woche vermutlich um 50 Basispunkte anheben. Durch die unerwartet hohe Inflation im Mai besteht erneut die Möglichkeit einer Erhöhung um 75 Basispunkte, aber wir gehen nicht davon aus, dass die Fed die derzeitigen Turbulenzen weiter anfachen will. Zurzeit sorgt der Markt bereits in ausreichendem Maße für eine Verschlechterung der Finanzbedingungen. Vermutlich werden die Prognosen der Fed im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Interessant ist, ob die FOMC-Mitglieder im Median den Leitzins bis Ende 2022 (die jüngste Marktbewertung) oder bis Ende 2023 im restriktiven Bereich sehen. Aber wir werden uns auch die Prognose für die Arbeitslosenquote genau ansehen. Dadurch bekommen wir ein Gefühl dafür, wie viel Wirtschaftsleistung die Fed zu opfern bereit ist, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen.   

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