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Weltwirtschaft

Die Standfestigkeit des Westens

  • 27 Februar 2023 (5 Minuten Lesezeit)

  • Eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fortsetzung der transatlantischen Beziehungen ist die Überzeugung Europas, dass die USA nach wie vor eine ernst zu nehmende Wirtschaftsmacht sind. Heute ist das einfacher als vor zehn oder zwanzig Jahren.
  • Wenn Premierminister Sunak seine Vereinbarung mit der EU zum Nordirland-Protokoll durchsetzt, wird es den erbitterten Brexit-Befürwortern erstmals seit 2016 nicht gelungen sein, der britischen Regierung ihren Standpunkt aufzuzwingen.

Diese Woche verzichten wir auf Analysen des Konjunkturumfelds und Prognosen der Zentralbankpolitik. Stattdessen werfen wir einen Blick auf die transatlantischen Beziehungen, inspiriert von einer Einschätzung „von außen“, einem langen Essay von Ding Gang, Redakteur bei People's Daily. Er beschreibt, wie der Ukrainekrieg Europa zusammenschweißt, die Region aber zugleich abhängiger von den USA macht, und sagt im Grunde genommen, dass „der Westen“ standfester ist als erwartet. 

Eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fortsetzung des Transatlantizismus ist die Überzeugung Europas, dass sich die US-Wirtschaft nicht im Niedergang befindet. Heute ist das einfacher als vor zehn oder zwanzig Jahren. Seit den 1990er-Jahren gelten die USA wirtschaftlich zunehmend als angeschlagen. Die Zweifel daran, dass sie weiterhin mit der übrigen „alten Welt“ und den Emerging Markets mithalten können, wurden immer lauter.  In den USA ist das BIP weiterhin stärker gewachsen als in Europa, aber dazu musste das Leistungsbilanzdefizit steigen – ein Beleg dafür, dass die USA über ihre Verhältnisse lebten und dem Rest der Welt immer weniger anzubieten hatten. Mittlerweile ist das US-Leistungsbilanzdefizit zwar noch immer sehr hoch, aber um die Hälfte niedriger als auf seinem Höhepunkt vor der internationalen Finanzkrise. Die Schulden sind also tragfähiger geworden, und zugleich sind die USA nach wie vor wichtig für den europäischen Export. Unterdessen ist der Anteil der westlichen Gläubiger an den US-Auslandsschulden deutlich gestiegen, während der Anteil Chinas zurückgegangen ist.  Etwa 60% der ausländischen Inhaber von US-Staatsanleihen sind heute starke Verbündete und über Freihandelsabkommen oder Militärverträge mit den USA verbunden.  Es gibt ihn noch, den westlichen Wirtschaftsblock, und aus unserer Sicht prägt er die Zukunft der EU. Die Lösung für die durch den US Inflation Reduction Act (IRA) entstehenden Herausforderungen besteht eher darin, für die EU etwas Ähnliches wie den IRA zu entwickeln, als sich bei der Welthandelsorganisation zu beschweren.

Seit 2016 stört der Brexit schmerzhaft die Stabilität „des Westens“. Wir wollen keine zu großen Hoffnungen wecken und sind überzeugt, dass es sehr langsam vorangehen wird, aber wenn Premierminister Sunak seine Vereinbarung mit der EU zum Nordirland-Protokoll durchsetzt, wird es den erbitterten Brexit-Befürwortern erstmals seit dem Referendum nicht gelungen sein, der britischen Regierung ihren Standpunkt aufzuzwingen. 

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