Einsteigen, bitte! Anlagechance nachhaltiger Tourismus und Transport
- Weltweit wird fast wieder so viel gereist wie vor Corona. Umso wichtiger werden Nachhaltigkeitsfragen.
- Die Politik will die Emissionen des Transportsektors senken. Neue Technologien machen alternative Verkehrsmittel attraktiver und klassische weniger CO2-intensiv.
- Die Kombination aus politischen Maßnahmen und technischem Fortschritt sorgt für langfristige Anlagechancen.
Nach der Coronakrise wird der internationale Tourismus dieses Jahr wohl fast wieder sein altes Niveau erreichen
Die Antwort ist die Dekarbonisierung von Transport und Reisen. Doch so selbstverständlich das scheint, so kompliziert ist es in der Praxis. Die Entwicklung hat aber bereits begonnen und stellt interessante Anlagechancen in Aussicht, jetzt und in Zukunft.
Ob Elektroautos, nachhaltiges Kerosin oder E-Scooter – im Transportsektor gab es in den letzten Jahren viele Innovationen. Neue Technologien ermöglichen alternative Verkehrsmittel und dekarbonisieren die vorhandenen.
Die Politik greift zu teilweise drastischen Mitteln, um die Emissionen zu senken: Frankreich hat Kurzstreckenflüge verboten, sofern Bahnreisen eine Alternative sind
Reisen und Tourismus sollen aber nicht eingeschränkt werden. Schließlich hat dieser Sektor letztes Jahr 7,6% zum Welt-BIP beigetragen und 22 Millionen neue Stellen geschaffen
Viele Länder sind auf die Heerscharen ausländischer Touristen angewiesen.
Auf Reisen und Tourismus entfallen aber auch – je nach Schätzung – 8% bis 11% der weltweiten CO2-Emissionen, und es ist so gut wie sicher, dass der Anteil weiter steigt. Man rechnet damit, dass 2030 85% mehr gereist wird als 2016
CO2-Emissionen des Transportsektors nach Verkehrsmitteln
Quelle: Statista, Angaben für 2021
CO2-arme Treibstoffe
Flugzeuge sind das CO2-intensivste Verkehrsmittel: Man schätzt, dass die Luftfahrt etwa 5% Anteil an der Erderwärmung hat.
Viele Fluggesellschaften haben sich bereits verpflichtet, nachhaltiges Kerosin (SAF) zu verwenden. Die chemischen Eigenschaften dieser Biokraftstoffe gleichen denen von traditionellem Kerosin, aber der Treibhausgasausstoß könnte deutlich geringer ausfallen. Noch sind SAFs aber teuer und knapp.
Doch das könnte sich ändern, da der Inflation Reduction Act in den USA die SAF-Produktion subventioniert. Und wie es heißt, erwägt die EU, von Fluggesellschaften ab 2030 ein SAF-Ziel zu verlangen, damit sie ein grünes Siegel bekommen.
Auch Veränderungen des Verbraucherverhaltens können eine Rolle spielen. Nach einer aktuellen Umfrage sind 40% der Reisenden bereit, für CO2-neutrale Flüge mindestens 2% mehr auszugeben.
Der wachstumsstärkste Tourismussektor sind aber Kreuzfahrten. Es wird erwartet, dass Passagierzahlen und Umsätze spätestens 2026 höher sein werden als vor der Pandemie.
Immer mehr Elektrofahrzeuge
Den größten Anteil an den Emissionen des Transportsektors haben aber mit etwa 39% Autos, allein schon wegen ihrer großen Zahl.
Dieses Jahr wird der Elektroautoabsatz wohl um 35% steigen.
Senken ließen sich die Emissionen natürlich auch durch eine Verkleinerung des Fahrzeugbestands. Vor allem durch Ridesharing könnte sich die Zahl der Autos verringern lassen, besonders in den Städten. Für Investoren entstehen daraus vielfältige Möglichkeiten. Nach einer aktuellen Studie hängt es aber vor allem von der Preisgestaltung ab, ob die Emissionen durch Ridesharing fallen oder steigen.
Einen der kleinsten CO2-Fußabdrücke im Transportsektor hat unterdessen die Bahn. Die Fahrgäste müssen sich aber dem Fahrplan und festgelegten Routen unterordnen. Aber auch hier bemühen sich viele Unternehmen, durch neue Technologien ihr Angebot zu verbessern und für Kunden attraktiver zu werden. Ein Beispiel sind E-Tickets, um den Papierverbrauch zu verringern, und die Veröffentlichung von Emissionsdaten, damit die Fahrgäste den Umweltfußabdruck ihrer Reise kennen.
Und schließlich kann auch die Künstliche Intelligenz helfen, trotz ihrer zuletzt nicht immer guten Presse. So nutzen Unternehmen im Transportsektor KI und Cloud-Computing für die Entwicklung „intelligenter“ Fahrpläne, die sich an Nachfrageänderungen anpassen.
Elektrofahrzeuge und Straßenbahnen wiederum nutzen neue Technologien wie die Automatisierung, um zu CO2-armen Alternativen für Städte und neue Stadtteile zu werden. Man schätzt, dass der weltweite Eisenbahnmarkt schon jetzt ein Volumen von über 92 Milliarden US-Dollar hat. Bis 2030 erwartet man einen Anstieg auf mehr als 143 Milliarden US-Dollar.
Am anderen Ende des Spektrums wird hingegen die Mikromobilität immer beliebter: Elektrofahrräder und E-Scooter. Durch Corona wuchs die Nachfrage erheblich; man entdeckte die Zweiräder als Alternative zum ÖPNV.
Etwa 16% aller Fahrten weltweit entfallen heute auf die Mikromobilität, schreibt McKinsey. Das aktuelle Marktvolumen wird auf etwa 180 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2030 dürfte es sich mehr als verdoppeln, auf etwa 440 Milliarden US-Dollar.
Mögliche Anlagechancen
Der Konjunkturabschwung und die hohe Inflation könnten bewirken, dass man über Urlaubsreisen genauer nachdenkt. Auf jeden Fall aber wächst das Bewusstsein für deren Umweltfolgen. Nachhaltigkeitsfragen werden ernster genommen.
Die Politik nimmt Einfluss, damit die Klimaziele erfüllt werden – und das wahrscheinlich immer mehr. Sie fördert ein CO2-ärmeres Reisen und Investitionen in die Dekarbonisierung.
Überall setzen sich Unternehmen Nachhaltigkeitsziele, die oft auch die Emissionen von Geschäftsreisen berücksichtigen, auf die fast ein Drittel aller Reiseausgaben entfällt.
Schon bald wird wieder so viel gereist wie vor Corona, und wahrscheinlich sogar noch mehr. Daher sehen wir Anlagechancen für Investoren, die für eine nachhaltigere Zukunft sorgen und dabei auch etwas verdienen wollen.
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