Was können Investoren gegen die Plastikberge tun?
Plastik und Plastikmüll haben dramatische Auswirkungen auf unseren Planeten. Zusammengenommen ist das Plastik in unserer Umwelt heute mehr als doppelt so schwer wie die Gesamtheit aller lebenden Säugetiere. Und es wird nicht so bald verrotten: Etwa 80% des jemals produzierten Plastiks existiert noch immer – in unseren Städten, auf dem Land und in den Meeren.
Für Regierungen ist dies ein gewaltiges Problem und für Investoren ein heikles Thema. Aber zumindest wird es ernst genommen: 2017 erklärten die Vereinten Nationen dem Plastik in den Ozeanen den Krieg („War on Ocean Plastic“), und das ist keine Überraschung. Wenn sich nichts ändert, dürfte die Menge an Plastikmüll, die in das Meeres-Ökosystem gerät, bis 2023 jedes Jahr um etwa 53 Millionen Tonnen zunehmen. Das ist etwa doppelt so viel wie 2016.
Aus unserer Sicht werden die nächsten Jahre für die Verringerung der Plastikverschmutzung von entscheidender Bedeutung sein. Im März 2022 verabschiedeten die Vereinten Nationen die erste weltweite Vereinbarung zu Plastikmüll. Sie soll die Verschmutzung der Erde mit Plastik beenden. 2024 soll ein internationales rechtsverbindliches Abkommen geschlossen werden.
Bei den Veränderungen der von Plastik abhängigen Volkswirtschaften stehen vor allem die Unternehmen in der Pflicht. Nach einer umfassenden Analyse des Pew Research Center
Pew schätzt, dass die Plastikneuverschmutzung durch die vorgeschlagenen umfassenden Maßnahmen in den nächsten 20 Jahren um 80% verringert werden kann. Es ist Zeit zu handeln. Um wirklich etwas zu bewirken, muss man die ESG-Risiken der Plastikverschmutzung klar benennen, aber auch mögliche Effizienzgewinne identifizieren und Alternativen zu konventionellem Plastik fördern. Hier kommen die Investoren ins Spiel. Auch sie könnten von diesem für eine nachhaltigere Wirtschaft so wichtigen Thema profitieren.
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Im Fokus 1. Ölpreise und Plastik Rohöl ist ein wichtiger Rohstoff für die Kohlenstoffverbindungen, aus denen unter anderem Plastikwaren hergestellt werden. Wenn sich der Ölpreis ändert, hat das also Auswirkungen auf deren Preis. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass mehr als ein Drittel der zusätzlichen Ölnachfrage bis 2030 auf die Petrochemie entfällt, während ansonsten weniger Öl verbraucht wird. Man schätzt, dass allein in den USA jedes Jahr etwa 12 Millionen Barrel Rohöl für die Herstellung von Plastiktüten benötigt werden. Gefährdete BranchenNach einer aktuellen Studie von J.P. Morgan können steigende Ölpreise – und damit auch steigende Preise für Raffinerieprodukte und Plastik – enorme Auswirkungen auf die Gewinne von Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren haben. Dazu zählen auch die Lebensmittel- und Getränkeherstellung sowie der Automobilsektor. J.P. Morgan schätzt, dass etwa 50% aller Autoteile aus Plastik bestehen. |
Den ESG-Fußabdruck von Plastik verstehen
Plastik und Klima: Das meiste Plastik wird aus Kohlenwasserstoffen wie Ethylen und Propylen hergestellt, die wiederum aus Erdöl und Erdgas gewonnen werden. Beim CO2-Fußabdruck von Plastik muss man also die Förderung und den Transport von Öl und Gas ebenso berücksichtigen wie die eigentliche Herstellung. Nach Angaben des World Wildlife Fund werden 4% des weltweit geförderten Rohöls für die Plastikproduktion verwendet, und weitere 4% werden bei der Raffinierung verbrannt.
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Im Fokus 2. Eine neue Art von CO2-Zertifikaten und Plastikkompensation In Europa erhielten Plastikrecycler zuletzt CO2-Gutschriften für die eingesparten Emissionen, schreiben die Analysten von Barclays. Manche Unternehmen können in großem Umfang CO2-Kompensationszertifikate ausgeben, weil sie Polyethylenterephthalat (PET) recyceln. Dieses Plastik wird oft für Lebensmittel- und Getränkeverpackungen verwendet. Die Frage ist, ob das PET-Recycling dadurch effizienter wird als durch eine „klassische“ Kompensation mit Anreizen für die Reinigung der Umwelt von Plastikmüll. An einem funktionierenden und reifen CO2-Markt kann es für Unternehmen interessant sein, Kompensationszertifikate zu kaufen, die durch das PET-Recycling entstehen. Das kann eine ergänzende Lösung sein. Wir müssen aber dafür sorgen, dass durch diese Form der Plastikkompensation wirklich weniger Plastik aus Öl und Gas hergestellt wird – und sie nicht nur einen weiteren Anstieg der Plastiknachfrage ausgleicht. |
Plastik und Artenvielfalt: AXA IM hat bereits auf die Folgen der Plastikverschmutzung für Flora und Fauna hingewiesen. Neben anderen alarmierenden Fakten zeigen Recherchen des Europäischen Parlaments, dass bis 2050 das in den Meeren treibende Plastik zusammen schwerer sein dürfte als alle in den Meeren lebenden Fische. Nach dem Second World Ocean Assessment der UN entfallen etwa 80% des in den Meeren treibenden Unrats auf Plastik. Man schätzt, dass die Flüsse jedes Jahr 1,15 bis 2,41 Millionen Tonnen zusätzliches Plastik in die Ozeane befördern. In der Studie heißt es auch, dass in über 1.400 verschiedenen Meereslebewesen Plastik nachgewiesen wurde.
Hinzu kommt, dass der natürliche Abbau von Plastik extrem lange dauert. Auf Mülldeponien können dazu bis zu 1.000 Jahre nötig sein. Dabei geraten potenziell giftige Substanzen ins Erdreich und in die Flüsse, sodass Plastik den Ökosystemen langfristig massiv schadet – an Land, in Flüssen und in Ozeanen. Das bleibt auch nicht ohne Folgen für die Artenvielfalt.
Plastik und öffentliche Gesundheit: Plastik wird nicht nur von Meereslebewesen aufgenommen. Einer Untersuchung zufolge nehmen Menschen jede Woche im Schnitt 5g Plastik zu sich, was dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht.
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Im Fokus 3. Einwegplastik Heute erzeugen wir jedes Jahr etwa 400 Millionen Tonnen Plastikmüll. Das entspricht etwa dem Gewicht aller Menschen zusammen. Von den 7 Milliarden Tonnen Plastikmüll, die weltweit bislang angefallen sind, wurden weniger als 10% recycelt. Studien zufolge sind mindestens 40% des jedes Jahr verwendeten Plastiks Einwegplastik. Etwa 70% des Mülls an europäischen Stränden entfällt auf die zehn gängigsten Einwegplastikgegenstände: Wattestäbchen, Plastikbesteck, Plastikteller, Strohhalme etc., Ballons und Ballonstäbe, Lebensmittelverpackungen, Becher, Getränkeverpackungen, Zigarettenkippen, Plastiktüten, Verpackungen und Folien, Feuchttücher und Sanitärartikel. |
Wo liegen die Chancen?
Aus Investorensicht haben wir es hier mit ESG-Risiken zu tun. Es gibt Parallelen zum Klimawandel, aber auch Unterschiede. Regierungen und internationale Organisationen haben erkannt, wie dringend gehandelt werden muss. Ebenso sicher ist, dass erhebliche Ressourcen und weltweiter Anstrengungen nötig sind, um die Herstellung von Plastik zu begrenzen - vor allem von Einwegplastik - und das Recycling zu forcieren. Der Statt kann hier Schrittmacher sein, aber der private Sektor muss die Entwicklung am Laufen halten.
Unternehmen können mit vielerlei Maßnahmen die Nutzung von Plastik verringern. Wenn davon umfassender Gebrauch gemacht wird, lässt sich die Abhängigkeit eines Sektors von Plastik verringern. Wir haben drei wichtige Handlungsmöglichkeiten identifiziert, die bei einer umfassenden Anwendung in unterschiedlichen Branchen entlang der Plastikwertschöpfungskette für systemische Veränderungen beitragen könnten.
Echter systemischer Fortschritt erfordert eine geringere Nutzung von Plastik und Effizienzverbesserungen. Aber das ist nicht einfach. Für Investoren kann aber auch das Plastikrecycling eine Chance sein. Einer Studie zufolge werden nur etwa 9% des Plastiks weltweit wiederverwendet. Hier ist noch sehr viel zu tun, und vielleicht können viele Unternehmen hier viel verdienen. Recycling ist ein komplexer Prozess. Er besteht aus einer Reihe von Schritten, von der Materialauswahl und dem Produktdesign über eine funktionierende und verantwortliche Entsorgung (sammeln, transportieren, verarbeiten) bis zur Wiederverwendung für neue Produkte. Jeder dieser Schritte kann eine Chance für Unternehmen sein. Sie können mehr Plastik einsammeln und sortieren und das Recycling verbessern, sodass auch komplexeres Plastik wiederverwendet werden kann. Ein effizientes Plastikrecycling ist entscheidend, damit Plastik ein wertvoller Rohstoff ist. Nur dann ist eine nachhaltigere Kreislaufwirtschaft für Plastik möglich.
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Im Fokus 4. Plastikregulierung Europa, Indien, Südkorea und China zählen zu den ersten großen Ländern, die beginnen, Einwegplastik zu verbieten. Die EU-Einwegplastik-Direktive hat zum Ziel, „die negativen Auswirkungen bestimmter Plastikprodukte auf Umwelt und menschliche Gesundheit zu verringern oder ganz zu beseitigen“. Außerdem soll sie den Übergang zur Kreislaufwirtschaft fördern. Das französische Abfallverringerungsgesetz betont einmal mehr das Verursacherprinzip. Außerdem schafft es neue Instrumente, um Umweltschädigungen leichter erkennen und sanktionieren zu können und Unternehmen bei Umweltinitiativen zu unterstützen. Der Entwurf zur EU-Taxonomie weist darauf hin, dass das meiste Plastik in der EU für Verpackungen verwendet wird und sie auch den größten Anteil am Plastikmüll haben. Der Entwurf befasst sich daher konkret mit der Herstellung von Plastikverpackungen. Hier werden klare Kriterien für eine Kreislaufwirtschaft genannt (Recycling- oder Bioplastik). Auch sollen Plastikverpackungen so beschaffen sein, dass sie wiederverwendet oder recycelt werden können. |
Die Ellen MacArthur Foundation, eine von Wohltätigkeitsorganisationen, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen finanzierte NGO, hat eine Vision für eine Plastik-Kreislaufwirtschaft entwickelt. Sie soll zeigen, dass Veränderungen möglich sind. Grundidee ist, dass alle von uns genutzten Plastikgegenstände im Wirtschaftskreislauf bleiben und nicht in die Umwelt geraten sollen, sodass Plastik letztlich endlos wiederverwendet wird. Gebrauchtes Plastik würde dann als Rohstoff in die Wirtschaft zurückkehren und könnte nachhaltig genutzt werden. Plastik hätte dann seinen Platz neben den immer neuen Plastikalternativen, die gerade entwickelt werden. So lässt sich die Plastikherstellung wie erhofft weiter verringern.
Vom Plastikmüll zu einer neuen Plastikwirtschaft
Die Nachfrage der Industrie nach Alternativen zu neuem Plastik steigt.
Von den fast 7,6 Milliarden Tonnen Plastikmüll, die wir weltweit seit 1950 produziert haben, befinden sich über 6 Milliarden Tonnen auf Deponien oder in der Umwelt. Der Plastikmüll bleibt ein in hohem Maße ungenutzter Rohstoff. Gerade einmal 9% des gesamten jemals produzierten Plastiks wurden bisher recycelt.
Viele Beteiligte an der Wertschöpfungskette nehmen Einfluss auf die Plastikwirtschaft. In manchen Ländern wird versucht, durch Vorschriften und Steuern auf Neuplastik Anreize für das Recycling zu schaffen und Alternativen zu fördern.
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Im Fokus 5. Plastikrecycling als wichtige Chance Nach Schätzungen der Ellen MacArthur Foundation kann eine Kreislaufwirtschaft für Plastik bis 2040
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Die Abfallmanagementbranche dürfte auch in Zukunft Kapital benötigen, um lokale Kapazitäten aufzubauen und das Plastikrecycling effizienter zu machen. Die gängigsten Methoden werden auch weiterhin das Einsammeln und das klassische Recycling bleiben. Es gibt aber auch positive Entwicklungen bei chemischen Verfahren und alternativen Methoden wie dem Recycling mittels Enzymen.
Weil Plastikmüll ein weltweites Problem ist, ist das Interesse an alternativen Materialien gestiegen. Aluminium und Glas, zwei der am häufigsten recycelten Stoffe, werden immer öfter genutzt. Diese Stoffe haben Vorteile, aber auch Schwächen. Auch hier wird an einer Verbesserung des Recyclings gearbeitet. Wenn man neues Glas aus Altglas herstellt, braucht man sehr viel weniger Energie für die Schmelze. Glashersteller können so ihre Scope-1-Treibhausgasemissionen verringern und gleichzeitig durch einen niedrigeren Energieverbrauch ihre Kosten senken. Im Verpackungsbereich werden Innovationen bei Papier- und Pappprodukten sowie bei Bioplastik zu Alternativen. Manche Alternativen, vor allem Bioplastik, haben aber eigene Schwächen:
- Bioplastik lässt sich aus vielerlei Ausgangsmaterialien produzieren – und aus Bioplastik wiederum Verpackungen, Beschichtungen, Harze, Medizinprodukte und vieles mehr. Bioplastik zeichnet sich durch natürliche und erneuerbare Ausgangsstoffe aus. Manche Arten von Bioplastik können eine ähnliche Qualität und Schutzwirkung haben wie gängige PET-Kunststoffe auf fossiler Basis. Wenn aber deutlich mehr neues Bioplastik produziert wird, kann das zu einer verstärkten Inanspruchnahme von Land und Wasser führen.
- Manche Bioplastikhersteller sprechen von einer optimierten Zersetzung ihrer Produkte. Es gibt unterschiedliche Lösungen. Manche Arten von Bioplastik können mittels industrieller Kompostierung zersetzt werden, andere bei den Nutzern selbst. Bisweilen ist sogar eine sehr viel schnellere Zersetzung in der Natur möglich als bei ölbasiertem Plastik. Diese Unterschiede sorgen aber für große Herausforderungen. Man muss mit Bioplastik richtig umgehen. Bislang wurde es nur selten recycelt. Bioplastik braucht eine spezifische Umgebung mit bestimmten Bedingungen, um effizient zersetzt zu werden. Der Umgang mit Bioplastikmüll muss noch weiterentwickelt werden.
Und doch arbeiten Unternehmen daran, das Zersetzungstempo und das Recycling zu beschleunigen und alternative natürliche Ausgangsmaterialien zu verwenden (Zwischenfrüchte, Biomasseabfälle und Stärke). Da die Nachfrage nach solchen Lösungen wächst,
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AXA IM und BNP Paribas AM fusionieren und optimieren ihre Rechtsstrukturen schrittweise, um eine einheitliche Struktur zu schaffen.
AXA Investment Managers gehört seit Juli 2025 zur BNP Paribas Gruppe. Nach der Fusion von AXA Investment Managers Paris und BNP Paribas Asset Management Europe sowie deren jeweiligen Holdinggesellschaften zum 31. Dezember 2025 firmiert das fusionierte Unternehmen nun unter dem Namen BNP Paribas Asset Management Europe.