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Die Sicht des Chefvolkswirts

Mittsommer-Blues

  • 01 August 2022 (7 Minuten Lesezeit)

  • Noch sind die USA in keiner „richtigen“ Rezession. Der Arbeitsmarkt ist entscheidend, und die Fed wird ihre Geldpolitik erst dann überdenken, wenn es klare Hinweise auf einen Rückgang der Löhne gibt.
  • Die überraschend guten Euroraum-Daten für das 2. Quartal sind labil. Über Nord Stream 1 wird derzeit nur 20% der möglichen Gasmenge geliefert. Das ist ein enormes Risiko. 

Nachdem das US-BIP im 2. Quartal zum zweiten Mal in Folge gesunken ist, kam es zu heftigen Diskussionen über die Definition von Rezessionen. Für uns ist klar: Auch wenn die Auslöser der Kontraktion in der ersten Jahreshälfte 2022 zu wenig eindeutig sind, um die Entwicklung eine „echte“ Rezession zu nennen, sind die Signale besorgniserregend, vor allem der nachlassende Konsum.  Aber für eine veritable Rezession müssen vermutlich erst zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut worden sein. Das ist bislang nicht der Fall, aber es gibt erste Hinweise auf einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosenanträge.  Für die Fed ist das ein wichtiger Punkt. Bislang hält sie noch an ihrem neokeynesianischen Ansatz fest. Der Offenmarktausschuss glaubt noch immer an die Phillips-Kurve und wartet ab, bis der Arbeitsmarkt so schwach wird, dass das Lohnwachstum nachlässt. Deshalb kommt den Arbeitsmarktzahlen in den nächsten Monaten eine große Bedeutung zu, sodass die Märkte sehr volatil werden könnten. Bislang sehen die Marktteilnehmer über die Straffungen der Fed hinweg und blicken in die Zukunft, aber die Fed tut sich schwer, ihre Zügel zu lockern.

Das überraschend hohe Euroraum-BIP im 2. Quartal war ein völlig anderes Signal als die Zahlen aus den USA.  Aber ein Blick auf die Einzelheiten gibt Hinweise auf eine nach wie vor sehr labile Euroraum-Wirtschaft. Die Erholung von der Pandemie begann im Euroraum später als in den USA. Wenn dieser Effekt nachlässt, dürfte auch das BIP in der Währungsunion nachlassen. Das Ausmaß des Rückgangs hängt von den russischen Gaslieferungen in die EU ab. Nach unseren Berechnungen würden Deutschland und Italien nicht ohne Gasrationierungen durch den Winter kommen, wenn über Nord Stream 1 weiter nur 20% der möglichen Menge geliefert wird. Der Umfang der Rationierungen – und damit das Ausmaß der Rezession – hinge davon ab, wie die EU mit den gemeinsamen Gasreserven umgeht. Unglücklicherweise sind die mageren 20% vermutlich aus der Sicht Moskaus die optimale Menge, mit der Russland massiven Druck auf den Westen ausüben kann und angesichts der steigenden Gaspreise ordentliche Zahlungen in harter Währung erhält. Entscheidend ist, wie sich die EZB bei einer durch Gasrationierungen ausgelösten Rezession verhalten wird.  Im Moment sieht es so aus, als ob sie ihre Geldpolitik einfach weiter straffen würde. Es mag einige Zeit dauern, bis die straffere Rhetorik gemildert wird, aber der Markt ist ungeduldig.


HINWEIS: Macrocast macht Pause. Wir wünschen unseren Lesern einen schönen August.

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